Oper Finale 2015



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Oper FinaleDie Zweite Wiener Schule

»In Wien musst’ erst sterben, bevor sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst’ lang.« Helmut Qualtinger Das Wien um 1900 stand im aufregenden Spannungsfeld von Tradition und Neuanfang. Die Stadt von Mozart, Beethoven, Schubert, Strauß, Brahms, Bruckner und Mahler über ein ganzes Jahrhundert hinweg musikalisch imprägniert, wandelt sich nun zum zentralen Untersuchungslaboratorium der Moderne. Mahler, der letzte große Sinfoniker der klassischen Form, war es selbst, der diesen Aufbruchsgeist formulierte: Tradition, sagte er, sei »die Weitergabe des Feuers und nicht Anbetung der Asche«. Parallel zur Entdeckung der Atomisierung des Ich in der Psychoanalyse Sigmund Freuds vollzog sich die Entdeckung der Abstraktion in der expressionistischen Malerei, die Auflösung der Sprache und der grammatologischen Ordnung im Dadaismus und die Ausarbeitung zunächst des atonalen und hernach des dodekaphonischen Systems durch den Wiener Schustersohn Arnold Schönberg. Auf ihn geht die Gründung der Zweiten Wiener Schule zurück. Die atonale und zwölftonale Revolution, getragen von der Erfindung der Gleichberechtigung aller Töne der chromatischen Skala, wurde durch Schönbergs neues Harmoniesystem zum skandalumwitterten Bruch mit den zurückliegenden Epochen der europäischen Musikgeschichte. Auf unterschiedliche Weise loteten Schönberg und seine Schüler Alban Berg und Anton Webern die Möglichkeiten einer radikal neuen Tonsprache aus. Flankierend zum Wiener Doppelabend der Uraufführung von Michael Langemanns Anna Toll und Schönbergs Gedichtzyklus Pierrot Lunaire im Bockenheimer Depot sowie der Wozzeck-Inszenierung von Christof Loy wird sich die Reihe Oper Finale dieser Spielzeit einer der spannendsten Etappen der maßgeblichen Avantgarde des 20. Jahrhunderts widmen.
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