Vorwort zur Saison 2013/2014


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Opernfreunde,

Intendant Bernd Loebe
am 22. April 2013 kürte das wichtige Opernmagazin »Opera« im Zusammenwirken mit Harry Hyman, einem Freund und Förderer, die Oper Frankfurt als das weltweit beste Opernhaus der Saison. Zum Erscheinungstermin der gedruckten Broschüre wussten wir noch nicht, ob es bei der bereits ruhmreichen Nominierung bleiben würde. Die anderen vier nominierten Häuser waren das Theater an der Wien, die Opéra de Lyon, die Staatsoper Stuttgart und das Stanislawski-Musiktheater in Moskau. Interessanterweise sind die angeblich führenden Häuser von New York, London, Mailand und Wien nicht dabei. Man könnte noch andere nennen. Zeichen dafür, dass bei näherem Hinschauen, auch Hinhören, diesen schweren Dampfern längst der Rang abgelaufen wird von weniger im Fokus stehenden Häusern, die allerdings mit Innovation, Risikofreude, Lust am Detail, musikalischer wie szenischer Kontinuität punkten. Da kann es auch nicht überzeugen, wie etwa die Met / New York mit ihren Hochglanz-Übertragungen in Kinos ein Massenpublikum in der ganzen Welt animiert und gleichzeitig dafür sorgt, dass kleinere Opernkompanien ihre Arbeit einstellen müssen, weil alles in jene Popcorn-Tempel strömt.
    Die Oper Frankfurt kann von weiteren Steigerungsraten berichten: Die Auslastung pendelt sich knapp unter neunzig Prozent ein (Stand: Ende Februar 2013), die Abonnentenzahl liegt 2012/13 bei circa 12.280. Nicht nur die Ring-Zyklen wurden bejubelt, auch der »sperrige« Spieler war ausverkauft. Das Band zwischen dem Theater und seinem Publikum wird fester und fester. Viele Foyergespräche zeugen von Dankbarkeit, ja regelrechten Glücksgefühlen, mit solch einem Opernhaus »rechnen« zu können. Parallel zu diesen Wärmeströmungen gibt es die eine oder andere Kältewelle. Aus Politikerkreisen wird das Wort »stagione« in den Ring geworfen: Tariferhöhungen sollen grundsätzlich den Städtischen Bühnen übertragen werden. Hinter der Spielplanstruktur »stagione« verbirgt sich eine Spielplanreduktion auf circa zwölf Opernproduktionen (statt 25), die Zerschlagung des international hochgeachteten Ensembles, womöglich weniger Kosten, dafür ebenso deutlich geringere Einnahmen. Dabei hatte man doch aus der Vergangenheit lernen wollen. Schon einmal war man mit dieser Idee gescheitert und hatte dem amtierenden Intendanten deshalb in den Vertrag geschrieben: Ensemble- und Repertoiretheater. Es gilt also dort Überzeugungsarbeit
zu leisten, wo die kontinuierlichen Ergebnisse für sich sprechen müssten. Erwähnenswert ist vielleicht, dass die Städtischen Bühnen mit Oper UND Schauspiel sich in ihrer Geschichte wohl noch nie derart erfolgreich präsentiert haben, nimmt man auch den Zuschauerzuspruch zum Maßstab. Vielleicht resultiert gerade aus der Medien-Dauerkanonade, unser Leben sei ausschließlich vom Auf und Ab des Dax abhängig, eine besonders ausgeprägte Lust auf Theater.
    Ich freue mich einmal mehr auf eine neue Spielzeit. Fünf Opern werden erstmals in Frankfurt aufgeführt, darunter eine Uraufführung. Ich freue mich auf die Regiearbeit von Brigitte Fassbaender (Ariadne auf Naxos), auf die unverwechselbare Handschrift von Hans Neuenfels (Oedipe), auf den Witz von David Alden (Die diebische Elster), auf die Fortführung unserer Mozart-Pflege durch Christof Loy (Don Giovanni), auf den Theateresprit von Keith Warner (Falstaff). Eine jüngere Generation mit kritischem Blick ist vertreten durch Jim Lucassen (Rusalka), Walter Sutcliffe (Die Gespenstersonate), Florentine Klepper (Orpheus), Eva-Maria Höckmayr (Romeo und Julia auf dem Dorfe) und Elisabeth Stöppler (Der goldene Drache). Zum 300. Geburtstag von Gluck inszeniert
Vincent Boussard Ezio.
    Weiterhin profitiert das Haus enorm von der Akribie in Einstudierung sowie Abenddirigat seines musikalischen Chefs, Sebastian Weigle. Das Orchester gehört – das darf man sagen – zu den besten in Europa. Bertrand de Billy wird »ständiger Gastdirigent« (bis 2018!) und führt damit die Liste unserer namhaften Gäste an: Christian Curnyn, Alexander Liebreich, Carlo Franci, Marc Soustrot, Henrik Nánási, Titus Engel, Paul Daniel, Giuliano Carella, Constantin Trinks, Constantinos Carydis, Leo Hussain, Sian Edwards, Maurizio Barbacini, Stefan Blunier, Pier Giorgio Morandi und Johannes Debus.
    Wichtige Ensemblemitglieder verlassen uns auf eigenen Wunsch (Elza van den Heever, Christiane Karg, Alfred Kim, Frank van Aken); neue kommen hinzu (Karen Vuong, Sofia Fomina, Andreas Bauer, Björn Bürger). Hervorragende Gäste sind erwähnenswert: Amanda Majeski, Max Emanuel Cencic, Sonia Prina, Artur Rucinski, Angela Meade, Johan Botha und Sophie Bevan, der »Rising Star« aus England. Durchstöbern Sie bitte unsere Besetzungsliste! Sie werden viele Entdeckungen machen. Und mit denen, die uns aus überwiegend sehr persönlichen Gründen verlassen, halten wir Kontakt: Alle werden wiederkommen!
    Bei der Zusammenstellung des Spielplans haben wir uns aus verschiedenen, Ihnen vertrauten Gründen leiten lassen: Natürlich gehört das sogenannte Kernrepertoire dazu, das Jahr für Jahr aufgefrischt werden muss. Es geht um in Frankfurt seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten vernachlässigte Werke, um Überraschungen und (selten) um ganz persönliche Vorlieben. Hier drängt sich das Meisterwerk von Frederick Delius auf: Wie dieser deutschstämmige, in Frankreich lebende Engländer den Romeo und Julia-Novellenstoff Gottfried Kellers mit seiner schillernden, zart pulsierenden Musik verwebt, ist einzigartig und der Neugier wert.
    Ohne die bislang so selbstverständliche Unterstützung durch die Stadt wäre die Umsetzung dieses Programms nicht möglich, ebenso die in Umfang wie Detail stark angestiegenen Projekte für und mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ich bedanke mich beim Patronatsverein, den Sponsoren, allen Mitarbeitern, bei den Kollektiven Chor, Orchester und Technik. Bei allen »Schreibtischtätern«, die die künstlerischen Vorgaben organisieren und ermöglichen. Es gibt kaum ein freundlicheres Foyerpersonal als das unsrige. Greifen Sie zu, wenn im Herbst zum 50-jährigen Bestehen der Städtischen Bühnen am Theater-Platz ein dickes Buch erscheint! Steigen Sie weiterhin an der Station Willy-Brandt-Platz aus, auch wenn die Tonbandansage Oper und Schauspiel verschweigt, um die Europäische Zentralbank zu favorisieren. Auch wenn das eine oder andere Gerüst den Anblick unseres Hauses verhängt oder der Hessische Rundfunk über einen Liederabend in der Alten Oper berichtet, der in unserer Oper stattgefunden hatte. Auch wenn der Intendant auf das Statement »Ach, die Oper ist also da, wo das Schauspiel ist … « beschwören muss: »Es gibt neben dem Schauspiel auch eine Oper!« Auch wenn Taxifahrer nach wie vor gastierende Sänger zur Alten Oper fahren und nicht zu uns. Es gibt uns – Sie finden uns doch auch!

Eine schöne Spielzeit wünscht Ihnen

Liebes Publikum, liebe Opernfreunde,

ich möchte Sie ganz herzlich zur Spielzeit 2013/14 begrüßen und Sie ermuntern, mit mir einen ersten kurzen Blick auf unser Programm zu werfen.
    Als Premierenauftakt spielen wir Dvoraks bekannteste Oper: Rusalka. Nicht nur ihre durchkomponierte, geschlossene Form erinnert an die großen Musikdramen Richard Wagners – schon die spielerisch-neckische Szene zu Beginn zwischen Elfen und Wassermann ähnelt inhaltlich Wagners Rheingold und dessen Rheintöchter-Schabernack mit dem Schwarzalben Alberich. Dass Rusalka zu den meistgespielten tchechischen »Repertoireopern« gehört, liegt ganz sicher an Dvoraks einzigartiger Melodienvielfalt, mit der er besonders der Titelheldin und ihrem Prinzen Gelegenheit zu lyrisch-arioser Entfaltung verschafft hat. »Was ist denn Musik? Musik ist eine heilige Kunst, zu versammeln alle Arten von Mut, wie Cherubim um einen strahlenden Thron – und darum ist sie die heilige unter den Künsten, die heilige Musik!« So stimmt uns »Der Komponist« in Richard Strauss’ Ariadne auf Naxos auf die Opernvorstellung ein, die sich als streng in buffo- und seria-Stil getrennte Nummernoper präsentiert.
    Mit meiner dritten Premiere gebe ich ein »Debüt« an der Oper Frankfurt – Don Giovanni ist meine erste Mozart-Premiere an diesem Haus, und auch das Stück selbst ist noch Neuland für mich. Ich bin gespannt auf die Einblicke in diese ungemein wichtige Oper, die ebenfalls mit den beiden Seiten einer Medaille, der Opera seria und der Opera buffa, spielt. Zudem freue ich mich wieder auf die Zusammenarbeit mit Christof Loy und dem wunderbaren Christian Gerhaher, der in Frankfurt sein Giovanni-Debüt geben wird.
    Weitere Höhepunkte dieser Spielzeit lassen sich schnell finden, besonders gespannt bin ich auf die zahlreichen Frankfurter Erstaufführungen, wie zum Beispiel George Enescus Oedipe in der Inszenierung von Hans Neuenfels oder Aribert Reimanns Gespenstersonate – und natürlich die Uraufführung von Péter Eötvös’ Der goldene Drache, die der Komponist selbst dirigieren wird.
    Ich hoffe, mit diesem kurzen Ausblick Ihre Lust auf mehr Oper geweckt zu haben, und möchte Sie ganz herzlich in die Oper Frankfurt einladen.

Viele anregende Opernabende in unserem Haus wünscht Ihnen

Ihr
Mai
MO DI MI DO FR SA SO
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31

LA FANCIULLA DEL WEST
Giacomo Puccini
Freitag 24.05.2013 19:30 Uhr
Opernhaus

Nächste Premiere:


DON GIOVANNI
Wolfgang Amadeus Mozart
Sonntag 11.05.2014 18:00 Uhr
Opernhaus
 
Copyright © 2013 Oper Frankfurt