Premiere

JULIETTA
Bohuslav Martinů
1890 - 1959
Lyrische Oper in drei Akten
Text vom Komponisten nach dem gleichnamigen Drama von Georges Neveux
Uraufführung am 16. März 1938, Nationaltheater, Prag
In deutscher Sprache mit Übertiteln

Dauer: ca. 2 3/4 Stunden inkl. einer Pause (nach ca. 1 Std. 50 Min.)
Einführung vor jeder Vorstellung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer




zum Werk

Ein Mann, der Buchhändler Michel, gelangt in ein kleines Städtchen am Meer, einen Ort, den er als Kind schon einmal besucht hat. Aber das ist eine bloße Erinnerung und Erinnerungen sind nicht zu trauen. Hiervon handelt die Oper, denn sie führt uns in einen Raum, dessen Bewohnern die Erinnerungskraft abhanden gekommen ist: eine Welt ganz ohne Gedächtnis und deshalb ein Welt ohne Zeit. Aber es erscheint noch ein anderes Thema, das diesem Vergessenszwang eng verbunden ist. Kann es sein, dass wir unser Leben nur träumen und dass – mit Schopenhauer – das Leben und die Träume allemal nur »Blätter eines und des nämlichen Buches« sind? Dieser alte, von Calderón bis zum Surrealismus ästhetisch stets erneut genährte Verdacht steht auch hinter der zwischen Realität und Illusion beharrlich schwankenden, jeder Handlungslogik baren lyrischen Oper des tschechischen Komponisten Martinů. Die bildermächtige, visionäre Vorstellungswelt des Werkes, bereits im gleichnamigen Drama von Georges Neveux, eines tiefsinnigen Vorläufers des absurden Theaters, gestaltet, wird durch die zwischen Zauberklang und Nüchternheit unvermittelt wechselnde Musik noch vertieft. Martinůs Tonsprache, gleichermaßen an Debussys Wunderwelt wie an Strawinskys Sachlichkeit orientiert, schwankt dementsprechend zwischen den zarten Traumsequenzen eines tristanesken Englischhorns und der mechanischen Eisenbahntoccata eines Lokomotivführers. Erst das unergründliche und beständig verschwimmende Charakterbild des Mädchens Julietta, einer Allegorie der Liebessehnsucht schlechthin, verleiht dem Ganzen einen Sog. Martinů's immer wieder auftauchende Grundfrage »Was ist der Mensch? Was bin ich? Was bist du? Was ist Wahrheit?« kulminiert hier in der Suche nach einem einzigen absoluten Prinzip, das irgendwo im wohl grenzenlosen »Kontinuum von Raum und Zeit, in dem Vergangenheit und Zukunft verworrene Begriffe zu sein scheinen« (Bohuslav Martinů), einmal auftauchen soll. Ist es des Menschen Fähigkeit zur Liebe?
Termine

Sonntag 21.06.2015

Weitere Termine:
25.06.2015  | 27.06.2015  |
03.07.2015  | 08.07.2015  |
13.07.2015

Mitwirkende

Musikalische Leitung
Sebastian Weigle
Regie
Florentine Klepper
Bühnenbild
Boris Kudlička
Kostüme
Adriane Westerbarkey
Licht
Jan Hartmann
Dramaturgie
Norbert Abels
Chor
Markus Ehmann

Julietta
Juanita Lascarro
Michel
Kurt Streit
Verschiedene Bewohner des Städtchens
Beau Gibson
Boris Grappe
Andreas Bauer
Nina Tarandek
Maria Pantiukhova *
Magnús Baldvinsson
Marta Herman
Judita Nagyová
Michael McCown

Chor der Oper Frankfurt

Opern- und Muesumsorchester Frankfurt


*Mitglied des Opernstudios


 
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