Pressestimmen zu den Premieren, Wiederaufnahmen und Liederabenden der Oper Frankfurt in der Saison 2014/2015


Mit den hier aufgeführten Pressestimmen dokumentiert die Oper Frankfurt grundsätzlich nicht die Kritiken in ihrer Gesamtheit. Vielmehr handelt es sich lediglich um eine Auswahl der erschienenen Rezensionen bzw. um Zitate daraus.

INHALTSVERZEICHNIS

Die Frau ohne Schatten,
Wiederaufnahme vom 26. Oktober 2014


(…) Sowohl Tamara Wilson (Kaiserin) als auch Sabine Hogrefe als Färbersfrau waren zum ersten Mal in diesen Rollen zu erleben und überzeugten auch darstellerisch. Insbesondere die Figur der Färbersfrau passte sehr gut zu Hogrefes präsenter Stimme.
Von erhabener Gestaltungskraft war der Auftritt von Tanja Ariane Baumgartner in der Rolle der Amme. In den Männerpartien gefielen wieder der kernige Terje Stensvold als Färber und der ausdrucksstarke Burkhard Fritz als Kaiser. Erwähnt werden sollen aber auch die drei Nebenfiguren der Färberbrüder, Franz Mayer, Björn Bürger und Hans-Jürgen Lazar, in skurriler Maskerade. Am Ende gab es für sie alle Beifallsstürme.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Etwa neunzig Musiker des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters hatte der musikalische Leiter des Abends, GMD Sebastian Weigle, im Graben versammelt, davon allein 50 Streicher, die der Musik eine satte Grundierung verliehen, aber auch mit dem zarten Schmelz der Violinen betörten und die Celli perfekt konzertieren ließen. Mit mystisch aus dem Grave aufsteigenden Blechklängen und irisierenden Holzbläsern (diese auch in einigen gediegenen solistischen Passagen) wurden die Farben gemischt. Spannung pur auch bei getragenen Tempi, mit denen die reine Spielzeit der ungekürzten Oper 200 Minuten betrug, was im Volumen etwa fünf von Strauss‘ größeren sinfonischen Dichtungen entspricht. Da muss man allein die große Orchesterleistung anerkennen, dass diese Riesenpartitur, in die Strauss von schweren Tutti-Attacken über schwelgerische Opulenz bis zu filigranen kammermusikalischen Zerfaserungen quasi ohne Wackler durchmusiziert wurde. Dem Orchesterchef aber ist eine durchgängige spannende Steigerung vom Beginn bis zum Ende, eine kohärente plastisch-suggestive Interpretation und vor allem die mitreißende ausgefeilte Dynamik zu danken, die ihren Höhepunkt in einem Crescendo im dritten Aufzug zur entscheidenden dramaturgischen Wende des Werks fand. Chapeau Maestro! Allein über diese gewaltige Steigerung würde ein bekannter Reiseführer schreiben: „vaut le voyage“.
Die Reise nach Frankfurt lohnt aber auch der Barak von Terje Stensvold, der hatte die Partie schon in der Premierenserie 2003 gesungen hatte. Stensvold ist gerade 71 Jahre alt geworden und kehrte nun noch einmal mit dieser Partie nach Frankfurt zurück; nach Angaben des Opernhauses sein letzter Barak und seine letzten Bühnenauftritte überhaupt. Das mag man nicht glauben, denn nach seinem umjubelten Wotan / Wanderer im Frankfurter Ring legte er jetzt noch einmal beredt Zeugnis von großartig kultiviertem Bassbariton-Gesang, dem keine Müdigkeit anzumerken war. Seine nuancenreiche warme Stimme von vorbildlicher Diktion und Aussprache wird uns fehlen. (…)

Manfred Langer, www.deropernfreund.de

Liederabend LOUISE ALDER und BJÖRN BÜRGER
vom 21. Oktober 2014


„Sehr anständig“ sei doch mittlerweile das Niveau an der Oper Frankfurt, meinte Intendant Bernd Loebe. Und so könne man hoffen, mit dem hauseigenen Ersatz für die erkrankte Julia Kleiter dem Publikum eine zufriedenstellende Alternative zu bieten. Loebe sprach das zu Beginn des Liederabends mit einem Understatement, in dem die Gewissheit der Richtigkeit der Bewertung schon mitschwang.
Und es stimmte: zwei junge Ensemblemitglieder der Frankfurter Oper nutzten die Gelegenheit aufs Vortrefflichste. Louise Alder steht gerade als Gretel in Humperdincks Hänsel und Gretel auf der Bühne und Björn Bürger ist seit 2013/14 Mitglied des Hauses.
Begleitet wurden die beiden von Helmut Deutsch, der mit seinem transparenten und idiomatisch geschmeidigen Spiel den Rahmen für das sich fast vollständig im deutschen Lied-Kosmos bewegenden Konzert schuf. (…)

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau


(…) Der Höhepunkt des Abends wurde im zweiten Teil erreicht. Bürger brachte in der Dichterliebe reichlich Volumen, Klavierpartner Deutsch den passenden Anschlag dazu („Im Rhein, im heiligen Strome“ oder auch „Die alten, bösen Lieder“). Louise Alder glänzte mit weicher, zarter Stimme in den technisch so anspruchsvollen Petrarca-Sonetten von Liszt. Erst bei den beiden Zugaben taten sich Sängerin und Sänger zusammen: mit Schumann und Eric H. Thiman.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse

Hänsel und Gretel, Premiere vom 12. Oktober 2014


(…) Fazit: Was sich auf dem Papier wie ein Theoretisierungsexzess der Dramaturgie liest, geht szenisch voll auf. Kaum je spürt man bleierne Gedankenschwere. Das liegt an der lebendigen Personenregie, ungemein spielfreudigen Darstellern und nicht zuletzt einem phantasievollen Bühnenbild. Da kommt keine Minute Langeweile auf. Die Inszenierung bietet den Erwachsenen intellektuell allerhand zum Beißen und den Kindern viel zum Staunen, so dass beide auf ihre Kosten kommen. Mit dem märchenhaft schönen Orchesterklang und engagierten Gesangsleistungen rundet sich das Gesamtbild einer gelungenen Produktion. Nicht nur zur Weihnachtszeit.

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Ein Knusperhäuschen gibt es nicht, und auch keine vierzehn Englein in lichten Gewändern. An ihrer Stelle schreiten vierzehn Wohltäter der Menschheit und besonders der Kinder die Himmelsleiter herab, von Astrid Lindgren bis Albert Schweitzer, den Brüdern Grimm bis Erich Kästner. Sie befreien die Kinder aus einem Schlafsaal im Waisenhaus, wo Mutter Gertrud (resolut und autoritär: Heidi Melton) das Regime führt.
Nur eine Idee von vielen, mit denen Keith Warner Engelbert Humperdincks Märchenspiel Hänsel und Gretel umkreist, befragt und vielschichtig auf der Bühne erzählt. Da sind die vorpubertären Jugendlichen an sich: die auf Korrektheit und Bravsein getrimmte Gretel (zurückhaltend und empfindsam: Louise Alder) und der ungezähmte, freche Hänsel, eine Paraderolle für die wunderbare Katharina Magiera. Ferner die zwanghafte Atmosphäre ihres Zuhauses. Die Träume. Hänsel und Gretel schauen durch ein großes Schlüsselloch in eine von liebevoll gestalteten (Kostüme: Julia Müer) Märchenfiguren und den ihnen eigenen, von oft ebenfalls zwanghaften Geschichten bevölkerte Welt. Rotkäppchen und der Wolf, der Nussknacker, der von einem Hasen totgeschossene Jäger ziehen vorbei und, besonders witzig, Richard Wagner nebst vier goldigen Germanenkindern – da thematisiert Warner den Komplex Humperdincks, der es in dieser Oper bekanntlich kräftig wagnern lässt.
(…) Beißende Ironie herrscht in Gestalt der Hexe, die, man vermutet es, nicht von Natur aus böse ist, sondern auch ein Schicksal hinter sich hat. Vielleicht, weil sie, wie man auch am Kostüm sieht, je zur Hälfte Mann und Frau ist? Eine solche Travestie überstieg sogar die Vorstellungskraft der Märchenerzähler; Peter Marsh spielt und singt diese Figur hinreißend virtuos und raumgreifend.
(…)
So agiert der bilderreiche Abend am Rande des Überladenen und zeigt doch gekonntes, auch auf die Musik hörendes Theater in vielen Facetten. Ganz pur und anrührend am Anfang: Zur Ouvertüre spielen in einem Puppentheater Thomas Korte, Christof Fleischer und Hans Bolz das Märchen von Hänsel und Gretel nach, wie es von den Brüdern Grimm aufgeschrieben wurde. Die Kinder sitzen andächtig und schauen zu. Auch wenn ihr Wunschbild, ein Leben voller Süßigkeiten, später nicht gezeigt wird: Der ganze Abend ist ein verführerisches Angebot, aus dem sich das Publikum viele leckere Dinge herausbrechen kann.
Eine großartige Ensembleleistung. Herzlicher Beifall.

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


Wagner und der böse Wolf
Keith Warner erzählt Humperdincks Hänsel und Gretel in Frankfurt als Oper für die ganze Familie

(…) Es gibt ein richtiges, buchstäbliches Vor-Spiel nicht nur im Orchestergraben: Kinder umlagern auf der Bühne eine bunte Theaterbude, in der mit gar possierlichen Puppen, abgestimmt zu den Leitmotiven der in der Wagner-Nachfolge stehenden Partitur, die Geschichte des Geschwisterpaares erzählt wird. Das ist total niedlich, und die Eltern, die ihre Sprösslinge zum mutmaßlich ersten Opernvergnügen mitgebracht haben (man sieht einen kleinen Jungen, der für bessere Sicht ein dickes Kissen mitführt), dürften erleichtert sein. Man weiß ja nie, was den bösen Regisseuren Drastisches einfällt zwischen Inzest und Kindesmissbrauch.
Aber bei Keith Warner könnte man eigentlich auch ein bisschen beruhigt sein. Er ist, wie unter anderem aus Bayreuth und einigen Frankfurter Inszenierungen bekannt, kein Bühnen-Berserker, sondern ein Erzähler, der Wert auf Wiedererkennung legt. Dabei will er nun nicht nur dem Nachwuchs, sondern auch Erwachsenen etwas bieten. Hänsel und Gretel ist schließlich große Oper nicht nur für die Kleinen. Nach dem Puppenspiel stehen die Zeichen denn auch auf Trauma und Waisenhaus, wo die Geschwister einen schweren Start ins Leben haben, die Pubertät durchmachen und einer Knusperhexe von beunruhigend unentschiedener Geschlechtlichkeit begegnen.
(…)
In Frankfurt taucht Richard Wagner übrigens nicht nur musikalisch, sondern sogar mit ein paar Mini-Walküren höchstpersönlich auf der Bühne auf, neben Struwwelpeter, Nussknacker, einem entzückenden Rotkäppchen und dem bösen Wolf. Der Bühnenbildner Jason Southgate und die Kostümbildnerin Julia Müer haben in ihrem literarischen Märchenwald, in dem statt der Bäume Texte wachsen, wirklich ganze Arbeit geleistet und verdienen für diese Produktion einen Sonderpreis. Am Ende steht so etwas wie eine weihnachtliche Lese-Apotheose. Die Bühnen-Kinder bekommen Bücher – noch so richtige aus Papier. Das passt zum Buchmessen-Finale und ist pädagogisch mindestens so wertvoll wie das Puppentheater, auf das der mephistophelische Spielmacher verweist.

Volker Milch, Wiesbadener Kurier


(…) Auch die Musik ist prächtig. Ohrwürmer und schillernde Momente entfalten sich unter den Händen von Sebastian Weigle in allen Facetten – von feiner Ziselierung und differenzierten Zwischenwerten bis zum glanzvollen Ende mit überragendem Kinderchor (einstudiert von Markus Ehmann).
Als Protagonisten lebensnah und locker in der Premiere: Katharina Magiera mit klangvollem, tragendem Alt (Hänsel), Louise Alder (Gretel) mit flexiblem, noch etwas zurückhaltendem Sopranschönklang ein Gewinn für das Ensemble. Ebenfalls in Rollendebüts: Peter Marsh als Knusperhexe, Elizabeth Reiter als silbrig intonierendes Sandmännchen, und mit eher metallischem Timbre die Sopranistin Nora Friedrichs. Alejandro Marco-Buhrmester gibt einen passenden Besenbinder, und die stattliche amerikanische Sopranistin Heidi Melton bietet präsenten Einstieg am Frankfurter Haus als Mutter Gertrud. (…)

Olga Lappo-Danilewski, Gießener Allgemeine Zeitung


Die Oper Frankfurt hat endlich wieder eine richtig gute, intelligente, durchdachte und musikalisch poetische Märchenoper im Spielplan: Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck, die 1893 in Weimar ihre Uraufführung erlebte. Dem Dream-Team, das von Regisseur Keith Warner und Dirigent Sebastian Weigle gebildet wird, gelingt das, was nur selten passiert: Verzauberung pur. Ein Erlebnis für große Kinderaugen, eine Schatzsuche verlorener Erinnerungen für Erwachsene.
(…)
Ja, beseelt, heiter und doch ein wenig nachdenklich kommt man aus diesem gelungenen Märchenspiel. Es ist, als ob eine große Schatztruhe der Vergangenheit, der Kindheit geöffnet würde, und aus ihr schlüpfen die vergessenen, glücklichen oder auch nicht so freudvollen Tage. Viele Bücher sind in dieser Truhe, Märchen von Bechstein, Lindgren, Kästner und den Brüdern Grimm. (…)

Barbara Röder, www.klassik.com


(…) Peter Marshs Performance ist szenisch und vokal virtuos (…).

Jörn Florian Fuchs, Deutschlandfunk Kultur heute


(…) Regisseur Keith Warner lässt die Geschichte in einem Waisenhaus oder Kinderheim spielen, das ausstaffiert ist mit Stahlrohrbetten des frühen 20. Jahrhunderts. Gertrud (Heidi Melton) und Peter (Alejandro Marco-Burmester) sind die Leiter dieser Einrichtung: beide unbarmherzig, gierig und lieblos. Das karge Heim ist voller Betten – immerhin: das Träumen ist Hänsel und Gretel noch nicht vergangen. Und so träumen sie sich nach dem Verschütten der Milch in den finsteren Wald hinein, in dem allerlei fantastische Dinge passieren. Der Zuschauer ist der Voyeur, der durch ein riesiges Schlüsselloch groteske, komische, verrückte Traumszenen ergattert. Üppig, prall und lebendig ist dieses Zauber-Märchenspiel auf der Bühne: ein einziger großer Rausch aus Licht, kleinen Tricks und mal verblüffenden, mal naiven Illusionen.
(…)
Musikalisch wertet Sebastian Weigle das Stück extrem auf, indem er den ersten und zweiten Akt wie Musik von Richard Wagner spielt, den dritten Akt dabei fast operettenhaft nimmt in einem Tonfall, der an Strauss und Offenbach erinnert. Weigle nimmt die Musik mit großer Geste. Und das Sängerensemble kann dem vorzüglich standhalten. Allen voran die Wagner-Sängerin Heidi Melton (Gertrud), die mit dieser Rolle an der Frankfurter Oper debütiert. Sie ist eine große, kräftige Frau, die allein schon mit ihrem Körper, viel mehr aber noch mit ihrer gewaltigen, wegblasenden, schön geführten Stimme sehr viel Bühnenpräsenz einfordert. Sie fällt schauspielerisch auf: markant, wendig und sehr witzig ist sie. Ihr konnte nur Peter Marsh, der die Hexe sang, die Show stehlen, der als Zwitterwesen aus Hexe und Weißclown eine dankbare Rolle hatte, denn Warner hat den Tenor nach allen Regeln der Kunst – über Verkleidung, Versteck- und Schattenspiel und naive Illusionen – in einer perfekten Choreografie über die Bühne gescheucht. Großartig!
Am Ende bleibt die Euphorie über eine rauschhafte Musik, über eine fantastische Operngeschichte, die verblüffend ein gutes Ende nimmt mit der versöhnlichen Nachricht, dass man auch in schlechten Zeiten auf das Gute hoffen soll. Klingt banal: aber nicht wenn Keith Warner einem das erzählt.

Natascha Pflaumbaum, Deutschlandradio Kultur / Fazit


(…) Es ist ein wahrer Geniestreich, wie sich die abgründige psychologische Deutung mit dem heiteren Fluss der kuchenseligen Musik zu einem beklemmenden Opernthriller verbindet.

Silvia Adler, Darmstädter Echo


Nur putzig geht nicht. Nicht einmal im Weihnachtsmärchen. So hat denn auch Regisseur Keith Warner Engelbert Humperdincks Märchenspiel Hänsel und Gretel an der Oper Frankfurt mit Kinder-Realitäten der Brüder-Grimm-Zeit abgeglichen.
Sein schneller Wechsel von Traum, Magie und Wirklichkeit, von hervorragenden Sängerdarstellern beflügelt, sorgte zur Premiere für zwei Stunden Krimispannung. Dass Humperdincks anheimelnd romantische Musik mit ihren volkstümlichen Wendungen nicht auf der Strecke blieb, da standen Sebastian Weigle und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester vor, auf Wohlklang geeicht, der auch dramatisch drohend das Szenische voranbringt. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Großes Lob muss zudem den Mädchen und Jungen des Kinderchors gezollt werden, die genau abgestuft und – von ihrem Leiter Markus Ehmann ideal vorbereitet – wunderbar auf Linie sangen. (…)

Lars-Erik Gerth, Maintal Tagesanzeiger


(…) Warners Inszenierung verlangt dem Zuschauer einiges ab, dafür bietet sie aber auch überaus viel: die Befreiung von allem Biederen und Rührseligen.

Bernd Zegowitz, Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg


(…) Zur Strafe hat die Mutter beide Kinder ins kleine Theaterkabuff gesperrt – und durch das in guter Lichtregie (John Bishop) bühnengroß verwandelte Schlüsselloch sehen die Geschwister einen ganzen Reigen besonderer Gestalten: Märchenzauberer, Rotkäppchen, die Automatenpuppe Olympia, Hase und Jäger, Richard Wagner, seine vier Kinder als Siegfried und Walküren – und wieder den gefährlichen schwarzen Mann. In einem Wald, dessen Bäume mit Buchstaben aus all diesen Geschichten bedeckt sind, schlafen sie zur schönsten Erfindung der Neuinszenierung ein.
Bis dahin erfreute der satt spätromantische Klang des Museumsorchesters unter GMD Sebastian Weigle. Der Gretel-Sopran des neuen Ensemblemitglieds Louise Alder strahlte, Katherina Magieras Hänsel konstrastierte prächtig, Heidi Melton war eine wuchtig gefährliche Mutter, Alejandro Marco-Buhrmester ein wohl tönender Vater. Nach der Pause betrat das Taumännchen im Kostüm einer neuen, adretten Heimleiterin die sauber hergerichtete Dachmansarde und zu ihrem Gesang begann die Uhr im Hintergrund rasant zu kreisen: Jahre flogen vorüber und Hänsel und Gretel betraten in Kostüm und Maske junger Erwachsener den Raum ihrer Kindheit, legten sich noch einmal amüsiert in ihre Betten – und träumten (wieder verjüngt nochmals, erstmals für das Publikum) den Alptraum von der Hexe, ihrer monströsen Küche im hereinfahrenden, jetzt großen Hexenhaus, der magisch traumhaft auftauchenden Kinderschar mit samt einem erlösenden Weihnachtsfest für alle … doch aus einer Riesentorte springt der zuvor zwischen Hexe und Magier herrlich changierende schwarze Mann des Vorspiels – von Peter Marsh geheimnisvoll gespielt und mit gewollt scharf-hellem Tenor gesungen. (…)

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)


(…) Von diesen einzelnen überladenen Theatermomenten abgesehen, bietet Warner aber eine originell durchdachte und schöne Neuinszenierung. Und auf ein paar Klassiker ist dann doch Verlass: zwei geflochtene Zöpfe bei Gretel, der weiße Bart beim Sandmännchen, der Mond am Bühnenhimmel. (…)

Rebekka Sambale, Die Rheinpfalz


Liederabend KWANGCHUL YOUN vom 30. September 2014


(…) Youn ist einer der ganz großen Bassisten unserer Zeit. Nach vielen Jahren im Ensemble der Berliner Staatsoper gastiert er längst von Bayreuth bis New York bei allen großen Festivals und an den renommierten Bühnen. In Frankfurt wird sich manch einer noch an seinen machtvollen Philipp II. in Verdis Don Carlo erinnern. Dass Kwangchul Youn auch als Liedsänger brilliert, das war jetzt zu erleben. Gemeinsam mit dem Pianisten Burkhard Kehring gelang es ihm, nur aus der Musik heraus einen kalten Hauch durch das Opernhaus wehen zu lassen. Stimmlich flexibel, bestens artikulierend und ohne große Gesten erzeugte Youn eine atemlose Spannung, die nach den letzten Tönen noch lange anhielt. Begeisterter Applaus.

Martin Grunenberg, Frankfurter Neue Presse


(…) Puristisch im Auftritt, eng orientiert an Text und Melodie arbeitet der Bass starke Kontraste aus dem Material. Anfangs etwas spitzmündig, aber dann mit immer freierer Stimme zelebriert er in priesterlich anmutendem weißen Rolli unter schwarzem Stehkragenjackett in der Frankfurter Oper einen Liederabend erster Güte.
(…) Youn modelliert die hohen Register in resignierter Gleichförmigkeit, geht langsam dem unausweichlichen Ende entgegen. Anhaltender Applaus, Bravo-Rufe. Keine Zugabe. Es hätte auch keine gepasst, so abgeschlossen, so stimmig war diese Winterreise.

Volker Schmidt, Frankfurter Rundschau

Falstaff, Wiederaufnahme vom 19. September 2014


(…) Für die wichtige Titelrolle hatte man den beleibten Jonathan Lemalu eingeladen, einen Neuseeländer mit samoanischer Herkunft, dem die Rolle des liebestollen Parasiten wie auf den fülligen Leib geschneidert schien. Regisseur Keith Warner freilich spitzte das Ganze noch weiter zu, indem er dem Tollpatsch wechselweise Hörner aufsetzen oder ihn in einer Art Aquarium unter Wasser setzte. All dies dient der köstlichen Unterhaltung des Publikums, so dass man diesen Falstaff ohne weiteres zu den Höhepunkten der zurückliegenden Saison zählen darf.
Dass dies so ist, beweist auch die schnelle erste Wiederaufnahme, nur wenige Monate nach der Premiere. Jonathan Darlington leitete diesmal das Frankfurter Opern- und Museumsorchester und setzte es bereits in der ersten Szene kraftvoll und zupackend in Szene. Auch im weiteren Verlauf des Abends konnte man sich immer wieder an den satten Blechbläsern erfreuen, die in ihrem Ton so recht zum burlesken Geschehen auf der Bühne zu passen schienen.
Doch nicht nur die Titelrolle hatte mit Lemalu stimmlich und darstellerisch einen idealen Künstler gefunden. Auch Daniel Schmutzhard als Mr. Ford und Martin Mitterrutzner als Fenton wirkten ausgesprochen vital und stimmlich auf der Höhe. In den Frauenrollen waren Sarah Jakubiak als Mrs. Ford und die stämmige Meredith Arwady als Mrs.Quickly zu erleben, während Jenny Carlstedt in der Rolle der Mrs. Page erneut zuverlässig im Dienst war. (…)

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Daniel Schmutzhard gab einen stimmgewaltigen Ford mit enorm kraftvollen Höhen. Martin Mitterrutzners feiner lyrischer Tenor gefiel als Fenton; und mit Sofia Fomina war eine traumhafte Nannetta besetzt. Sirenenhaft (…) ihr schmelzender Sopran mit den betörend gesungenen leuchtenden Höhen. Sofia Fomina hat sich als leichter lyrischer Sopran schon in die Spitze des Frankfurter Ensembles gesungen, was den Weggang von Christiane Karg in einem tröstlichen Licht erscheinen lässt. Ähnlich schön gestaltete Sara Jakubiak, seit dieser Spielzeit neu im Frankfurter Ensemble, die Rolle der Alice; von hinreißender Bühnenerscheinung mit großem schauspielerischem Talent überzeugte sie stimmlich mit klarer, schlanker Gestaltung. In der kleinen Rolle Ihrer „Freundin“ Meg Page konnte die Mezzosopranistin Maria Pantiukhovain gleicher Weise gefallen. (…)

Manfred Langer, www.deropernfreund.de

Sirenen - Bilder des Begehrens und des Vernichtens, Uraufführung vom 14. September 2014


Ein äußerst attraktiver Saisonauftakt in Frankfurt, ein glücklicher Abend. In dessen gut 90-minütigem Verlauf wird unmissverständlich, in welch hohem Grad dieser Kompositionsauftrag in, ja, tatsächlich jahrelanger Vorbereitung zu einem Teamwork aller Beteiligten gedieh.
Der Frankfurter Komponist Rolf Riehm (77) hat mit dem (in der Premiere hellhörig amtierenden) Dirigenten Martyn Brabbins zusammen noch bis in die letzten Probenphasen hinein an der Partitur gearbeitet. Riehm lernte die Sänger ganz genau kennen und richtete insbesondere die beiden Hauptpartien auf die Stimme und die Persönlichkeit der Protagonisten aus.
Die Inszenierung wurde dem lange mit dem Betrieb vertrauten Hausregisseur Tobias Heyder anvertraut, der sich mit dieser ungewöhnlich bildstarken Arbeit gewissermaßen einen mächtigen szenographischen Ritterschlag erwarb.
(…) Riehm (…) vermag neben Schartigkeit auch freundlich-verbindliche Facetten (nicht nur aus „Kriegslist“) zu zeigen und hat allen Ernstes den Impuls, auch ein Publikum jenseits von Expertenkreisen zu fesseln und zu begeistern. Seiner neuen Oper könnte das gelingen, wenn nicht sofort, dann in der Weiterwirkung. Zunächst mal wäre zu wünschen, dass die hingebungsvoll vehement ins Werk gesetzten Frankfurter Startvorstellungen zu „Kultaufführungen“ werden.
(…)
Die Sirenen, blond und weißgewandet (Kostüme: Verena Polkowski), sind als erotisch aufgeladenes Frauenoktett mit Schrei- und Schöngesang von weitem der Altmännererotik Wagnerscher Blumenmädchen verpflichtet. Sie finden hier ein schlimmeres Ende als frühen Tod: erbarmungsloses Altern. Stimmgewaltig intonierten Sarah Maria Sun, Annette Schönmüller, Frauke Burg, Britta Stallmeister, Barbara Zechmeister, Nina Tarandek, Maria Pantiukhova, Jessica Strong. Erotisch-akrobatische Ikone am Stoffseil: Antje Mertens.
Tanja Ariane Baumgartners Kirke hat stimmlich wie figürlich (auch im didohaften Leiden) Flair und sanfte Majestät. Als hell und scharf mensurierter Countertenorsänger tritt Lawrence Zazzos Odysseus raffinierterweise erst in der zweiten Hälfte des Stückes in Erscheinung.
Sein sprechendes Double Michael Mendl taumelt gekonnt als Schmerzensmann durch die Vorstellung; der Schauspieler Dominic Betz ist ein beweglicher Telegonos. Eine schöne Reminiszenz ans „instrumentale Theater“ der Avantgarde sind Bühnenmusiker mit aparten Tonquellen; besonders eindrucksvoll und in enigmatischem Konnex mit der „Handlung“ die singende Säge, das Akkordeon, das Quartett der Holzbohlen.
Der Großteil der Oper vollzog sich in einem halbhellen Rahmen, an dessen Rückwand zunächst allzu spendabel Filmsequenzen projiziert wurden. Seine besten Momente hatte das Bühnenbild von Tilo Steffens gegen Schluss. Im halbdunklen Kasten formiert sich das Gruppenbild der lädierten Überlebenden, fast ein Asyl-Tableau nach Beckett’scher Poetik.
Dieses Bild fährt langsam in den Hintergrund, den Blicken gibt sich eine taghell leuchtende zweite Bühne im Vordergrund preis für die drei Hauptakteure – ein aufwändiger Effekt, der einer Sache, die nicht darauf zielt, die dialektische Pointe einer spektakulären Abrundung verleiht.

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


Verführung auf der Revuetreppe
Uraufführung – Ein phantastischer Taumel: Frankfurts Sirenen verzaubern und verstören das Opernpublikum

(…) Diese Girlgroup könnte Kultstatus bekommen. Die Sirenen in der gleichnamigen Antiken-Oper, die jetzt in Frankfurt uraufgeführt wurde, verzaubern das Publikum mit verführerischen Gesängen sowie perfekter Choreografie – einer von vielen starken Reizen bei der rundum gelungenen Saisoneröffnung.
Glückliches Ende einer langen Reise: Jahrelang hatten der Komponist Rolf Riehm, 77, und der künstlerische Stab der Frankfurter Oper an dem Auftragswerk Sirenen getüftelt. Dieser Teil der Odysseus-Sage inspiriert Riehm immer wieder – hier sieht er jene „Konflikte von Liebe, Verrat, Abschied, Begehren, Sehnsucht und Todesdrift“ im Spiel, die bis heute Gültigkeit haben. Sein Ziel: „Einen Schönheitstaumel aus Musik, Gesang und Bildern“ zu erwecken und die Operngäste wie Odysseus und Kirke mit hineinzuziehen. Dieses Experiment dem Publikum zum Saisonstart vorzusetzen, war ein Wagnis, das Intendant Bernd Loebe hoch anzurechen ist. Lohn dieses Mutes zum Risiko: Kräftiger Beifall bei der Uraufführung im voll besetzen Opernhaus. Dass bei einem Werk neuer Musik auch beherzte Buhrufe in Richtung des Komponisten flogen, ist Ehrensache.
(…)
Acht Sopranistinnen der Extraklasse bieten die Frankfurter auf, um diesen Part [der Sirenen] zu gestalten. Die Damen geben alles, um ihrem uralten Ruf als Verführerinnen gerecht zu werden.
Mit luftigen weißen Sommerkleidern und aschblonden Perücken räkeln sie sich auf der großen (Show-)Treppe des finsteren Seelenkellers, in dem das Ganze spielt. Hausregisseur Tobias Heider lässt sie in perfekter Choreografie über die Stufen trippeln, tänzeln und gleiten, nimmt alle Klischees lasziver Bühnenshows mit und setzt sie clever ein. Und dann die Sirenenstimmen: Zum Dahinschmelzen, wenn sie unisono ihre schönen Versprechungen säuseln, „we can tell you everything...“ – wir können dir alles erzählen, was auf der Welt geschieht. Aber plötzlich zerfällt der Schönklang in schrilles Kreischen. Und wenn die Hübschen auf dem niedergestreckten Helden erotisch-akrobatisch herumturnen, dann wendet sich das Liebliche ihrer Stimmen in kunstvolles Gemecker, Spott und Drohungen. Klar, dass sie am Ende mit der Wahrheit doch nicht rausrücken. (…)

Thomas Wolff, Darmstädter Echo


(…) Der hagere großgewachsene Mann mit dem schlohweißen Haar, einst Mitglied des legendären „Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters“ und lange Zeit Kompositionslehrer, war schon immer eigen. Sein neues Bilderstück nun, das die Assoziationsfähigkeit des Publikums kräftig und lohnend herausfordert, ist es nicht minder. (…) die Inszenierung von Tobias Heyder [bricht] das Geschehen (…) auf eine hinreichend klare Geschichte herunter, an welche die Zuschauer unproblematisch ihre eigenen Träume von Verführung und Untergang andocken können. (…)

Reinhard J. Brembeck, Süddeutsche Zeitung


(…) Es gibt in dieser Oper keine lineare Erzählhandlung, die Zeitebenen gehen genauso durcheinander wie die Aspekte der Handlung. Riehm spricht von musikalischen wie szenischen Samples. Für die Hauptakteure gibt es mehrere Darsteller: für Odysseus etwa einen Schauspieler (Michael Mendl) und einen Sänger (Countertenor Lawrence Zazzo). Martyn Brabbins arbeitet die Luzidität der Partitur kongenial heraus. Höhepunkt ist eine Erzählung des Odysseus, die nur von Pauke und einer singenden Säge begleitet wird – das entfaltet eine umwerfende Wirkung. (…)

Stephan Hoffmann, Die Welt


(…) Rolf Riehm, der drei Jahre lang im Teamwork mit Regisseur Tobias Heyder und den Dramaturgen Wolfgang Willaschek und Mareike Wink an seiner Sirenen-Oper gearbeitet hat, benutzt die Gestalten der Homer’schen Odyssee als Archetypen für urmenschliches Verhalten. Riehm zeigt, wie unser Handeln geprägt ist vom triebhaften Begehren, aber auch vom Vernichtungswillen. In den acht Szenen seiner knapp zweistündigen Oper führt er das ohne Pause schmerzhaft vor Augen und Ohren. Der Knackpunkt liegt freilich darin, dass es keine lineare Handlung gibt – und somit auch keinen alles überspannenden dramaturgischen Bogen. Umso stärker müssen die Szenen für sich sprechen. Und dies tun vor allem die Bilder, bei denen gesungen wird.
So hat die Zauberin Kirke gleich zu Beginn einen grandiosen Auftritt: Tanja Ariane Baumgartner vom Ensemble der Frankfurter Oper durchmisst in ihrem „Lamento“, einem Klagelied über den Weggang des geliebten Odysseus, nicht nur emotional alle Höhen und Tiefen, sondern auch stimmlich alle Register. Souverän und hochexpressiv gestaltet sie ihren Gesang, der Klage und Anklage zugleich ist, der Liebe und Hassgefühle vermengt, Schmerz und Wut verbindet. Passend dazu zeigen Videoprojektionen (Video: Christina Becker; Bühnenbild: Tilo Steffens) Sehnsuchts- und Erinnerungsbilder Kirkes, etwa wie sie Odysseus zärtlich berührt. Oder zerwühlte Bettlaken.
Odysseus selbst hat Riehm in zwei Personen aufgespalten: als singenden Countertenor, der dessen Seele verkörpert, und als sterbenden Menschen in einer Sprechrolle. Letztere verschafft dem populären TV- und Theatermimen Michael Mendl strapaziöse Auftritte, denn Mendl schont sich nicht.
(…)
Vom Speer seines Sohnes Telegonos (mit jugendlichem Impetus: Dominic Betz, ebenfalls in einer Sprechrolle) durchbohrt, schreit, wankt und taumelt Mendl als Odysseus über die Bühne. Es ist eine quälende Reise in den Tod, die den Protagonisten freilich nicht davon abhält, sich immer wieder nach den Objekten seiner Begierde, den Sirenen und einer Artistin (Antje Mertens), zu recken. Weitaus berührender aber ist Odysseus’ Alter Ego, von Countertenor Lawrence Zazzo verkörpert. Dieser betört mit sirenengleichem Gesang, vom Brustregister bis in höchste Höhen – ein faszinierender vokaler Drahtseilakt.
Und die Sirenen selbst? Für die acht Damen in weißen langen Gewändern mit Blondhaar-Perücke (Kostüme: Verena Polkowski) hat der Komponist nicht ausschließlich „schöne“ Töne parat. Auch sie dürfen im Gesang ihre „hässliche“ Seite zeigen. Wie Riehm überhaupt eine Musik komponiert hat, die sehr ausdrucksstark ist, oft schrill, aber auch sehr farbig, und die effektvoll Geräusche miteinbezieht. Dazu gehören Schläge auf Papier und Holzbohlen, das Kratzen mit einem Fuchsschwanz auf dünner Kunststoffplatte und eine singende Säge. Das vielfältige Instrumentarium wird vom Frankfurter Opernorchester unter der konzisen Leitung von Martyn Brabbins atmosphärisch dicht zum Klingen gebracht. (…)

Michael Dellith, Frankfurter Neue Presse


(…) Dazu hat Rolf Riehm der Frankfurter Haus-Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner eine wahre Achterbahnfahrt an Koloraturen und Intervallsprüngen in die goldene Kehle geschrieben. Die Baumgartner zeigt sich in großer Form, präsentiert leuchtende Höhen, die den Weg zu künftigen Rollen im dramatischen Fach weisen, prunkt mit einer breiten Palette an Klangfarben und gestaltet so ein Lamento, das trotz mancher orchestraler Schroffheit, die Riehm dagegen setzt, zu berühren weiß. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Riehm, der auch milde harmonische Streicherausflüge unternimmt, der fürs Archaisch-Griechische Holzbohlen stampfen, eine singende Säge mit Kesselpauken-Begleitung sowie Akkordeon und Klavier auf der Bühne ertönen lässt, setzt vor allem auf plötzlich auftauchende und wieder verschwindende klangliche Samples, die er final zu einer Art grandiosen Passacaglia bündelt, wenn sich Odysseus‘ Schicksal in gleißender Bühnenhelle vollzieht.
Der ist immerhin 90 Minuten lang gestorben – was für die Darstellerkraft des schon als Willy Brandt im Fernsehen beeindruckenden Michael Mendl spricht, der auch im Hades nichts von Göttin Kirke wissen will, die in der Unterwelt mit einem Champagnerglas lockt – und den gemeinsamen Sohn spontan ohrfeigt. Der unselige Telegonos (schauspielerisch stark: Dominic Betz) muss dann auch noch die Hüllen fallen lassen. Mag sein, dass diese existentielle Blöße Grund für die anhaltenden Beifall übertönenden Buhrufe war. Riehm meinend, waren sie zumindest völlig überflüssig.

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) An SirenenBilder des Begehrens und Vernichtens kann sich der Betrachter und Zuhörer reiben. Kein Mainstream, eher gewöhnungsbedürftige Kost, verstörend, aber auch anregend.

Regina Tauer, Wetzlarer Neue Zeitung


(…) Odysseus gibt es in diesem Stück doppelt: Die Figur wird zum einen von dem Schauspieler Michael Mendl gespielt, den singenden Part übernimmt der Countertenor Lawrence Zazzo. Er ist es, der Kirke in einer raumhohen Videoprojektion begegnet – und sie an ihre Schmach erinnert. Er ist der Inbegriff eines jugendlichen Helden, ein blonder Schönling mit einer atemberaubenden Stimme – die durchaus dem Chor der Sirenen Konkurrenz macht.
Und die sind nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein Ohrenschmaus. Wie die Spice Girls der Antike räkeln sie sich in weißblonden Perücken und verführerisch fließenden Kleidern auf ihrem Felsen. Die fünf Sängerinnen locken mit süßen Tönen:
der Klang des Lebens.

Bettina Kneller, Main-Echo Aschaffenburg


(…) was die Kirke, was die Sirenen da mit ihm [Odysseus] anstellen, was sie verhandeln und wovon sie handeln, vor allem: was sie treibt und umtreibt, eben den Übergang vom „Begehren“ zum „Vernichten“ – dies gehört ganz und gar uns.
Es ist dieser Anspruch, an dem Riehm gemessen sein will. Und gemessen daran, darf man, was die musikalische Seite des Frankfurter Erstlings angeht, einen fulminanten Erfolg bilanzieren. In Martyn Brabbins am Pult des Frankfurter Opernorchesters hatte Riehm den exzellentesten Bündnispartner, den er sich nur wünschen konnte. Die ganze Komponistenpower, die Riehm in die Rache- und Verzweiflungsarien der Kirke und der Sirenen wie in seinen brausenden, klopfenden Orchestersatz gelegt hatte (unter kluger Verwendung älteren sirenen-tauglichen Materials!) – dies alles schaufelte Brabbins aus dem Graben und warf es uns vor die Füße. (…)

Georg Beck, www.nmz.de (neue musikzeitung)


(…) Eine Uraufführung, die (…) den Start in eine aufregende, ereignisreiche Saison markiert.

Barbara Röder, www.klassik.com

La Bohème, Wiederaufnahme vom 5. September 2014


Das hat wieder richtig Spaß gemacht

Puccinis La Bohème an der Frankfurter Oper in ihrer 100. Aufführung der Inszenierung von Alfred Kirchner (1997/98), brachte herrliche Stimmen.

(…) Mehrere Darsteller-Sänger sollen gelobt werden, allen voran die bezwingend schön und fein singende Mimì der Amerikanerin Karen Vuong, die sich in Sentimentalität streng zügelt, sanfteste Bewegungen an den Tag legt und in der Verliebtheit einen mädchenhaften Überschwang. Kurzum eine entzückende Person und ein wahrer Gewinn für das Opernensemble.
Der aus Guatemala stammende Tenor Mario Chang wird von der nächsten Saison an festes Ensemblemitglied – auch das ein feiner Zugewinn. Chang ist mit einer herrlichen Stimme begabt und auch mit der Macht der Strahltöne in der Höhe. Er ist ein geschmeidiger, spielfreudiger und sensibel auf die Situation eingehender Darsteller und Sänger.
Dann Musetta: Die temperamentvoll-kesse Sofia Fomin ist ebenfalls mit einer höchst wandlungsfähigen Stimme beschenkt. Sie fegt durch den angestaubten Laden (Bühnenbild: Andreas Reinhardt), wirbelt nach Lust und Laune die Männer auf, erliegt dann aber selber der Liebe. Diese Musetta-Fomina ist aber auch in der Lage, am schlechten Ende ehrlich-innigen Anteil an Mimìs Elend zu nehmen. Das übrige Ensemble: leichtsinnige Bohèmiens, die herumtollen wie übermütige Halbwüchsige und dabei lebhaft und durchweg gut singen. Diese Aufführung machte einem wieder Spaß.

Gabriele Nicol, Frankfurter Neue Presse


Überzeugende Ensembleleistung mit tenoralem Glanzlicht

Zehnte Wiederaufnahme, einhundertste Vorstellung, alle Rollen ausnahmslos mit Ensemblemitgliedern besetzt – das klingt nach lauwarmer Repertoire-Routine. Dass es dazu am vergangenen Freitag nicht kam, sondern dass ein vielversprechender Saisonauftakt gelang, belegt einmal mehr die glückliche Hand der Frankfurter Opernintendanz bei der Entdeckung junger Stimmen. Gleich bei drei Rollen vermerkte der Besetzungszettel ein Rollendebüt.
(…)
Richtigen Spaß macht es, den zweiten Debütanten Iurii Samoilov dabei zu erleben, wie er in der Rolle des Marcello aufgeht. In der vergangenen Saison gehörte der junge Bariton noch dem Opernstudio an. Mit dem Debüt als Marcello gibt er zugleich seinen Einstand als neues Ensemblemitglied. Er bewältigt die Herausforderung souverän. Seine Stimme besitzt einen wohltönenden Kern, ist in allen Registern ausgeglichen und überzeugt mit unangestrengter, geradezu tenoraler Höhe. Man merkt ihm die Freude darüber an, sich endlich in einer größeren Rolle beweisen zu können.
(…) Mario Chang führt sich in das Ensemble mit seinem Frankfurt-Debüt als Rudolfo ein. Mit der Aufnahme des gerade einmal 24 Jahre jungen Tenors aus Guatemala in das Opernensemble ist Intendant Bernd Loebe ein echter Coup gelungen. Eine solche Prachtstimme kaufen sich Opernhäuser üblicher Weise als Gast für wenige Vorstellungen ein. (…)
Geboten wird kein Wunschkonzert mit teuren Sängerstars, die nebeneinander her agieren, sondern eine Teamleistung mit vokalen Glanzlichtern. Die Oper Frankfurt zeigt sich zum Saisonbeginn bestens aufgestellt. Der konsequente Ausbau des Ensembles trägt schöne Früchte. Nach einer Bohème allein mit Bordmitteln auf diesem musikalischen Niveau wird man anderen Orts lange suchen müssen.

Michael Demel, www.deropernfreund.de

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TANNHÄUSER UND DER SÄNGERKRIEG AUF WARTBURG
Richard Wagner
Samstag 19.10.2013 18:00 Uhr
Oper Frankfurt

Nächste Premiere:


LA SONNAMBULA
Vincenzo Bellini
Sonntag 30.11.2014 18:00 Uhr
Opernhaus
 
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