Pressestimmen zu den Premieren, Wiederaufnahmen und Liederabenden der Oper Frankfurt in der Saison 2013/2014


Mit den hier aufgeführten Pressestimmen dokumentiert die Oper Frankfurt grundsätzlich nicht die Kritiken in ihrer Gesamtheit. Vielmehr handelt es sich lediglich um eine Auswahl der erschienenen Rezensionen bzw. um Zitate daraus.

INHALTSVERZEICHNIS

Die Ausflüge des Herrn Brouček,
Wiederaufnahme vom 5. Juli 2014


Dauernörgler auf dem Mond

Janáčeks Ausflüge des Herrn Brouček boten einen vergnüglich-tragikomischen Saisonausklang am Frankfurter Opernhaus.

(…) Axel Weidauers Frankfurter Inszenierung, erstmals vor gut sechs Jahren gezeigt, besticht durch ihre Klarheit und Präzision, aber auch ihre Pointen – der Stoff ist ja eine komödiantische Szenerie, zu der sich die quirlige Musik Janačeks ausgezeichnet macht.
Johannes Debus leitete bei der Wiederaufnahme ein glänzend aufgelegtes Museums- und Opernorchester. Arnold Bezuyen war in der Titelrolle kraftvoll und energisch – auch darstellerisch bot er manche Nuance. Zu den sängerischen Perlen gehörten wieder Juanita Lascarro als Malinka sowie der herzhafte Simon Bailey als Sakristan und Andreas Bauer in seinem Rollendebüt als Wirt Würfl. Besonderen Beifall verdiente sich der Opernchor. In den Kriegsszenen des dritten und vierten Akts konnte er sich wirkungsvoll in Szene setzen.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse


(…) Am Pult des aufmerksam und trefflich musizierenden Frankfurter Museumsorchesters waltete umsichtig Johannes Debus und schenkte der vielschichtigen, melodienreichen, rhythmischen Partitur die emotionale und folkloristische Grundlage. Souverän steigerte sich Debus auch in die aggressiven Ansätze, die dynamischen Differenzierungen, provokanten und weniger harmonischen Klänge der Tongebungen.
Eine vor allem im musikalischen Bereich sehr interessante Aufführung, leider zeigten sich nach der Pause im Parkett große Lücken (vermutlich wollte man pünktlich zum WM-Spiel an den heimischen TV), doch feierten die Verbliebenen alle Beteiligten mit Bravos und starkem Applaus.

Gerhard Hoffmann, www.der-neue-merker.eu

Der goldene Drache, Uraufführung vom 29. Juni 2014


Peter Eötvös (…) hat sich jetzt das Erfolgsstück Der goldene Drache von Roland Schimmelpfennig vorgenommen. Es ist ein unterhaltsames, zugleich hintergründiges, virtuos verschachteltes Stück geworden. Es spielt in einem Thai-China-Vietnam Schnellrestaurant. In der engen Küche tummeln sich fünf Asiaten, darunter ein kleiner Junge, der einen kranken Zahn hat, der ihm mit der Rohrzange gezogen wird, weil kein Zahnarzt zur Stelle ist, woran der Junge verblutet. Der Zahn fliegt in die Suppe einer Stewardess, die sich aber nicht ekelt wie ihre Kollegin, sondern über den Zahn eine Art Beziehung zu dem ihr unbekannten Kleinen aufbaut. Der tote Junge wird in den Teppich mit dem goldenen Drachen eingewickelt und in den Fluss geworfen. Von dort tritt er die Heimreise nach Asien an zu elegischen Worten, die Eötvös als große Arie vertont.
Das ist nur die Rahmenhandlung. Es gibt noch die Fabel von der singenden und tanzenden Grille, die es im Sommer versäumt hat, für den Winter vorzusorgen und nun bei der Ameise Unterschlupf sucht, die die Grille zur Hure macht. Es gibt ein junges Paar, dessen Liebe wegen einer ungewollten Schwangerschaft zerbricht und den Großvater, der sich partout nicht mit seinem Alter abfinden kann, insgesamt 18 Rollen, die von lediglich fünf Darstellern gegeben werden. Hier bringt sich die Regisseurin Elisabeth Stöppler ins Spiel. Auf einer zunächst unglaublich vermüllten, aber mit einem fantastischen Drachengebilde als Prospekt nach hinten abschließenden Bühne (Hermann Feuchtner) im Bockenheimer Depot lässt sie die 21 kurzen Szenen in einer brillanten boulevardesken Personenführung à la Herbert Fritsch abschnurren mit beiläufigen Kostümwechseln und geschickt eingesetzten Requisiten (Perücken, Brillen, Stöcke, jede Menge Alltagsgegenstände).
Aber alles das wäre nichts, wenn nicht Peter Eötvös mit leichter souveräner Hand vertont hätte. Es geht ihm nicht um neue Klänge oder um Experimentaltheater. Am Anfang klingt es so lustig und prägnant wie in einer Kinderoper. Es gehört ja zu Eötvös' Stilprinzipien, den Text möglichst prägnant in Sprechgeschwindigkeit durchlaufen zu lassen, so dass sich die Schimmelpfennigschen Sprachskurrilitäten auch mitteilen. Das präzis spielenden Ensemble Modern liefert nicht nur eine illustrative Klangtapete, sondern gibt dem Ganzen einen rhythmischen, vorwärtsdrängenden Puls und vor allem Farbigkeit und rhetorische Vielseitigkeit. Schräge Glissandi, Gongs, Choräle, Recitar cantando à la Monteverdi, alles das zaubert Eötvös hervor. Bis zu dem Zeitpunkt, wo der Zahn gezogen wird, der dann unter pathetischen Gesangseinlagen des Quintetts durch die Szene fliegt, nennt Eötvös sein Stück eine Komödie, und das ist auch, eine Komödie der multiplen Stilistiken mit sängerischen und schauspielerischen Glanzleistungen des Quintetts.
Dann aber geht durch die Partitur ein Doppelstrich, und jetzt wird es nach dem Willen von Eötvös eine richtige Oper. Das Tempo verlangsamt sich, der Tonfall wird pathetischer, der Sound flächiger und auch konventioneller bis eben zu der großen Arie des toten Jungen. (…)

Richard Lorber, www.wdrblog.de


(…) Eötvös, mit dem Opernmetier seit langem vertraut, richtete sich das Libretto selbst ein, respektierte aber wohlweislich die formale Vieldimensionalität der (aus pragmatischen Gründen erheblich gekürzten) Originalgestalt. Es entstand – als Auftragswerk des Ensemble Modern und der Oper Frankfurt – ein kompaktes Stück von anderthalb Stunden Spieldauer.
(…)
In Elisabeth Stöpplers Regie begann das zunächst turbulent-anarchisch mit Darstellern und Musikern, die auf Töpfe und Pfannen schlugen und alles gierig klangbar machten, was an metallisch Klirrendem oder hölzern Klapperndem in einer phantasmagorischen Bistroküche zu finden ist. Mit dieser szenischen „Ouvertüre“ mochte Eötvös daran erinnern, dass er seine ersten Erfahrungen in Köln in der Nähe der avantgardistischen Küchenchefs Kagel und Stockhausen gesammelt hatte.
Im weiteren Verlauf dachte man dann mehr an die drastische und groteske Klangsphäre von Ligetis Grand Macabre, später an visionäre Bartók’sche Tongestalten, wenn die teilweise derbkomische Handlung ins Lyrische und auch Hymnische umschlägt. Eötvös geht immer von der konkreten dramatischen Situation aus, musikalisiert unmittelbar und illustrativ. Mit dem Schlussmonolog des (toten) kleinen Chinesen, einer überwältigend eindringlichen und auf merkwürdig immaterielle Art schönen Sopranarie, stößt er entschieden in die Zone „großer“ Opernmusik vor. Elisabeth Stöppler inszeniert diese Szene als einen grandiosen Abgesang, den die Protagonistin im weißen, weitärmligen chinesischen Trauergewand in stilisiertem Pathos zelebriert.
Dass Eötvös als Komponist auch im 21. Jahrhundert angekommen ist, also den Zwang zum Materialfortschritt überwunden hat, zeigt auch seine Behandlung der Singstimmen in dieser Oper. Sie nähert sich wieder einem „natürlichen“ Duktus, berücksichtigt extreme Intervalle und exaltierte Wendungen nicht mehr routinemäßig, sondern als funktional besondere Ausnahmephänomene. (…)

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


(…) Der Goldene Drache, ein (vom Komponisten nach, wie er sagt, ausschließlich musikalischen Kriterien eingerichtetes) Theaterstück von Roland Schimmelpfennig, nimmt Probleme unserer Zeit aufs Korn. Flucht, Umwelt, Verletzung von Menschenrechten vor allem. Der pädagogische Zeigefinger wird in diesem Sprechtheater mit Musik, in der turbulenten, temporeichen Inszenierung von Elisabeth Stöppler, zum Glück jedoch nicht erhoben.
Fünf Personen spielen insgesamt 18 Rollen, neutral zusammengefasst in den Namen Die junge Frau (Kateryna Kasper), Die Frau über sechzig (Hedwig Fassbender), Der Mann über sechzig (Hans-Jürgen Lazar), Der Mann (Holger Falk) und Der junge Mann (Simon Bode). Sie reden miteinander, erzählen übereinander oder berichten voneinander, wild durcheinander; mittels kunstvoller Verkleidungen (Kostüme: Nicole Pleuler) gleiten sie von einer Rolle in die andere. Ebenso skurril und vielschichtig öffnet die Handlung Räume des Absurden, Surrealistischen, hier und da klingt’s wie Ionesco, Beckett oder Helge Schneider. Eine „Der Kleine“ genannte Person hat Zahnweh. Er kann nicht zum Arzt, weil er kein Geld und keine Papiere hat. Der Zahn wird ihm in der Küche mit der Rohrzange gezogen und landet in der Suppe einer Stewardess, die mit einer Kollegin nach langem Flug das Lokal aufgesucht hat. Der Kleine verblutet fast, also muss der Zahn wieder rein. Das Loch im Kiefer wird aber inzwischen von der Familie bewohnt, die mit ihm telefonieren will. Dazwischen geschnitten wird eine Fabel von Ameise und Grille, eine Parabel um Hunger, Erniedrigung, Sex und Vergewaltigung.
(…)
Einhelliger Beifall im Bockenheimer Depot für eine fabelhafte Ensembleleistung, für Musik, die alles auf den Punkt bringt. Die Premiere dirigierte der Komponist, die Folgeaufführungen übernimmt Kapellmeister Hartmut Keil. Unbedingt sehenswert!

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Das Ensemble Modern bat Peter Eötvös um ein Stück, das sich, klein besetzt, gut auf eine Tournee mitnehmen lässt. Dass die fünf Vokalsolisten 18 Rollen spielen, ist aber keineswegs nur der Bühnenökonomie geschuldet. Tenor Simon Bode gibt Großvater und Kellnerin, eine Tante und eine Grille, die wiederum von einer kapitalistischen Ameise gemobbt wird, gesungen von Hedwig Fassbender, die auch eine alte Köchin oder eine chinesische Mutter gibt. Die Rollen hängen wie lose Kleider an den Darstellern, Alters- oder Geschlechtszuweisungen sind völlig aufgehoben, etwa bei den beiden Stewardessen (hinreißend: Hans-Jürgen Lazar und Holger Falk). Die indisponiert, aber bravourös sicher singende Kateryna Kasper („Der Kleine“) war das Opfer dieses Welttheaters im Asia-Imbiss. (…)

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier


(…) Ähnlich atmosphärisch wie Eötvös' Musik gelingt (…) das Schlussbild, in dem sich die Bühne symbolisch teilt, als der Leichnam des Jungen von den Strömungen der Ozeane wieder nach China getrieben wird. Die – von der talentierten ukrainischen Sopranistin Kateryna Kasper gesungene – Szene zählt zum Eindrücklichsten, das Eötvös in der letzten Zeit komponierte: Eine Art Abschiedsarie des untoten Jungen, in der die Musik wie durchsichtig wirkt, um transparent zu machen, welch' zufälliges Glück es ist, nicht in der Dritten Welt geboren zu sein.

Reinhard Kager, Österreich 1 / „Zeit-Ton“-Magazin


(…) Mit zahlreichen stilistischen und thematischen Anspielungen und Anleihen zieht der bei der Uraufführung auch dirigierende Peter Eötvös auch der Musik immer wieder einen doppelten Boden ein – bis hin zu jenem bekannten Bach-Choral, den man von fern zu hören meint, wenn dem Fremden aus Fernost sein Haupt voll Blut und Wunden auf die Brust sinkt. Der goldene Drache ist ein Zauberwerk. Der alte Hexenmeister lebt noch. Und wie!

Susanne Benda, Stuttgarter Nachrichten


(…) Wie der Kleine, als Partie für Frauenstimme notiert, in den schaurigsten, herzigsten, komischsten Koloraturen „Aua“ schreit oder „Schme-e-erzen“ – das in Töne zu setzen hat bestimmt auch dem allzeit beherrschten Eötvös Spaß gemacht. (…)

Christine Lemke-Matwey, Die Zeit


(…) jetzt gelang Eötvös endlich wieder ein echter Wurf, dazu passend ist die Frankfurter Erstinszenierung des Goldenen Drachen auch noch ein wahrer Theatercoup. Elisabeth Stöppler lässt das krude Geschehen auf einer mit viel Krempel vermüllten Bühne ablaufen, vorne agieren fünf Sänger, im Hintergrund sieht man einen kitschigen Drachen, wie er in vielen asiatischen Restaurants hängt. Der Drache wird mittels diverser Lichterketten abwechslungsreich illuminiert und erstreckt sich auch in den Orchestergraben und auf die Bühnenrückseite. Am Ende sackt er langsam in sich zusammen. Man spielt das Ganze übrigens nicht im Opernhaus, sondern im ehemaligen Bockenheimer Straßenbahndepot – eine gute Entscheidung, weil es hier intimer zugeht und das Publikum den Protagonisten schön nahe rückt.
(…)
Trotz der Fülle an Details bleibt alles gut im Fluss, wozu auch Elisabeth Stöpplers kluge Regie beiträgt. Die fünf Sängerdarsteller (Kateryna Kasper, Hedwig Fassbender, Simon Bode, Hans-Jürgen Lazar, Holger Falk) agieren allesamt auf höchstem Niveau und schlüpfen rasch und mühelos in die unterschiedlichsten Rollen. Elisabeth Stöppler führt sie mit sicherer Hand und großem Ideenreichtum durch die 21 scharf geschnittenen Szenen, schafft immer wieder Raum für Doppelbödigkeit, packt hier eine Prise Globalisierungskritik, dort ein paar hemmungslose Witzchen dazu. Besser geht’s nicht!

Jörn Florian Fuchs, Deutschlandradio Kultur / Fazit


(…) Der Zahn – Symbol des Schmerzes, des Ausgeliefertseins, der Hoffnungslosigkeit – wandert in den Suppenteller einer Stewardess und am Ende in den Fluss, wo die Wasserreise des toten Jungen über das Nordmeer in seine chinesische Heimat beginnt. Fünf Personen wechseln in Windeseile die Kostüme (Nicole Pleuler) und schlüpfen in 18 verschiedene Rollen. Dabei kommt es zu schwindelerregenden Identitätswechseln, die mit faszinierender Virtuosität vermittelt werden.
Die Bühne (Hermann Feuchter), im Hintergrund von einem großen, in vielen Farben aufleuchtenden Drachen abgeschlossen (Licht: Jan Hartmann), quillt über von Wegwerfartikeln, Plastiktüten, altem Gerümpel und Müllresten – ein Abbild maroder Verhältnisse. Neben der Einwanderer-Problematik gibt es scharfe Gesellschaftskritik in den Nebenhandlungen.
In Gestalt von Kateryna Kasper, Hedwig Fassbender, Simon Bode, Hans-Jürgen Lazar und Holger Falk stehen hervorragende Interpreten auf der Bühne, die den vielschichtigen Facetten des Stücks gerecht werden: Absurdes wechselt mit Alltäglichem, surrealistische Skurrilitäten mischen sich mit wirklichkeitsgetreuen Abläufen, Märchenhaft-Mythisches trifft auf radikale, gelegentlich brutal daherkommende Realität, Farce und Klamauk kippen ins Beklemmende.
(…)
Wenn am Ende, während sich die Bühne nach hinten verschiebt, der Drachen in sich zusammenfällt und der „Kleine“ in der Ferne verschwindet, Kateryna Kaspers Sopran leuchtet und arios aufblüht, steht dieser Schlussgesang ganz in der Tradition von Wagner (Isolde, Brünnhilde) und Strauss (Salome, Elektra). Grandioses Musiktheater, musikalisch und von Regisseurin Elisabeth Stöppler auch szenisch perfekt umgesetzt.

Albrecht Schmidt, Darmstädter Echo


(…) Eötvös‘ Stück ist eine Leidensgeschichte, eine Passion, in der das ganze Elend prekärer Lebensverhältnisse von Migranten aufscheint. Mittels eines kleinen kariösen Zahns den großen Kummer dazustellen, die Qualen und die Kälte des Menschen, das gelingt dem Dramatiker und Librettisten Roland Schimmelpfennig auf beeindruckende Weise. Vom Kleinen zum Großen. Ähnlich verfährt auch Peter Eötvös mit seiner Musik. Den maschinellen Rhythmus, die messerscharfen Klänge und die kantigen Konturen schöpft er aus dem engen Klangraum der Küche des Schnellrestaurants zu Beginn der Oper.
(…) Wieder einmal spannendes Musiktheater in Frankfurt. (…)

Christoph Schmitz, Deutschlandfunk Kultur heute


(…) Wenn die Geschichte kippt, wird auch die Musik mit zunehmenden Anteilen fernöstlicher folkloristischer Elemente opernhafter und melancholischer – und dies auch mit einer betörend schönen und traurigen Abschiedsarie des kleinen Chinesen. Insgesamt unterläuft Eötvös die strukturelle Verfremdung des Textes durch eine wachsende emotionale Empathie für seine Akteure. Vor allem für den kleinen Chinesen.
Auch Regisseurin Elisabeth Stöppler baut mehr auf das Komödiantische und die Poesie der Geschichte und weniger auf ihre denkbaren politischen Implikationen. Hinter dem vollgerümpelten Spielpodest erhebt sich eine riesige Drachen-Collage aus dem Strandgut der Zivilisation. Sie vermag natürlich nach allen Regeln des atmosphärischen Zaubers zu funkeln, bis sie am Ende langsam in sich zusammensinkt.

Joachim Lange, Der Standard


(…) Hermann Feuchter ist hier in der Tat ein subtil intelligentes Bühnenbild gelungen. Diese „szenische Skulptur“ regt schon vor dem eigentlichen Beginn zum Nachdenken an. (…)

Michael Pitz-Grewenig, www.klassik.com


(…) Am Ende geht der tote Küchenjunge in einer Agonie auf, nachdem ihn die Küchenmannschaft klammheimlich im Fluss entsorgt hat. Dazu fällt im Hintergrund der aus lauter Müll zusammengestückelte Drache in sich zusammen – und zeigt ein weiteres Mal, dass die Lebenswirklichkeit alles andere als golden ist – und sich oft genug als blechern erweist.

Bettina Kneller, Main-Echo Aschaffenburg


(…) 5 wunderbare, wandelbare Gesangsartisten singen und spielen sich grandios durch ein abgedrehtes Panoptikum. Das Ensemble Modern wartet mit einer irren Bandbreite von Tönen auf. (…)
Begeisterter Applaus.

Wertung: SEHR GUT

Josef Becker, Bild Frankfurt


(…) Irgendwo zwischen Kabarett und absurdem Theater ist Der goldene Drache angesiedelt, kein Lehrstück mit erhobenem Zeigefinger, und doch gleißend aktuell. Eötvös, der die Uraufführung seines sechsten Musiktheaterwerks persönlich leitete (und dafür vom Publikum gefeiert wurde), bevorzugt ohnehin eine kunstvoll-unverstellte Musik mit erkennbarer Symbolik – zur Operation etwa jaulte die Solo-Posaune. (…)

Axel Zibulski, Offenbach-Post


(…) Da der Komponist am Pult stand und die Ko-Auftraggeber und -Produzenten vor ihm saßen, darf man von einer authentischen Interpretation dieser trotz aller Traurigkeit am Ende gemütserheiternden Musik ausgehen. Die erstklassigen Protagonisten taten ein übriges. Ob nun Kateryna Kasper als „junge Frau“ und „der Kleine“, ob Hedwig Fassbender, die als „Frau über sechzig“ auch als „Enkeltochter“ oder „Ameise“ glänzte oder das wunderbare Herrentrio aus Simon Bode, Hans-Jürgen Lazar und Holger Falk. Wobei sich keiner die Show stehlen lässt, als Kellnerin oder als Stewardess zu glänzen. Frankfurt ist ein Saisonabschluss mit einem Stück neuen Musiktheaters gelungen, das Freude macht und obendrein gute Aussichten auf ein Bühnenleben hat.

Joachim Lange, www.die-deutsche-buehne.de

Romeo und Julia auf dem Dorfe,
Frankfurter Erstaufführung vom 23. Juni 2014


Wer gerne auf Opern-Entdeckungsreise geht, der ist am Willy-Brandt-Platz an der richtigen Adresse. In der Intendanz von Bernd Loebe gab es bereits eine Reihe von Begegnungen mit Opern, die selten oder sogar überhaupt nicht mehr aufgeführt werden. Die jüngste Premiere am vergangenen Sonntag war beispielsweise eine Frankfurter Erstaufführung. (…)

Lars-Erik Gerth, Hanauer Anzeiger


Das Stück hat einen schlechten Ruf: zu schön, zu süß, etwas bieder. Weshalb A Village Romeo and Juliet (1907) von Frederick Delius die Opernhäuser äußerst selten aufsucht; sehr verdienstvoll, immerhin, war die Produktion, die Claus Helmut Drese 1980 im Opernhaus Zürich besorgt hat. Jetzt hat Bernd Loebe den Faden aufgenommen: einige Monate nach Œdipe, einer Rarität von George Enescu, und wenige Tage vor dem Goldenen Drachen, der Uraufführung eines Werks von Peter Eötvös – die Oper Frankfurt ist bekannt für ihre anregende Programmgestaltung und ihre immer wieder beispielhaften Verwirklichungen.
Und so war hier Gelegenheit geboten, ein Vorurteil zu revidieren. Romeo und Julia auf dem Dorfe nach der Novelle von Gottfried Keller wurde in jener englischen Version vorgestellt, von der das Stück von Frederick Delius seinen Ausgang nahm. Das schafft Distanz, und die ebenso poetische wie virtuose Inszenierung von Eva-Maria Höckmayr unterstützt das insofern, als sie das Geschehen nicht diachron nacherzählt, sondern sozusagen synchron zeigt: mit allgegenwärtiger Vergangenheit und immer wieder aufblitzender Zukunft. (…)
(…) Die großen Namen, nach denen das Publikum anderer Häuser lechzt, findet man hier nicht, die vokale Kultur steht aber oft auf bewundernswertem Niveau – auch das zählt zu den Markenzeichen des Frankfurter Hauses.

Peter Hagmann, Neue Zürcher Zeitung


(…) Regisseurin Eva-Maria Höckmayr hat sich bei ihrem Frankfurt-Debüt ganz vom fließenden Charakter der Musik inspirieren lassen, einer Musik, die zwar impressionistischen Farbsinn und expressionistische Ausbrüche nahtlos zu vereinen scheint, die aber doch ganz eigenständig in ihrer rhapsodischen Prägung ist, und die vor allem das „auszusprechen“ vermag, was die handelnden Personen nicht wagen zu sagen, was sie denken und fühlen und was sie sich sehnsüchtig erträumen. Höckmayr hebt in ihrer Inszenierung die Grenzen zwischen Realem und Surrealem, zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft auf, zeigt die Protagonisten in stummen Doubles oft simultan auf der Bühne, vom Kindes- bis zum Greisenalter.
(…)
Christian Schmidt hat dazu ein kongeniales Bühnenbild geschaffen, das die Drehbühnen der Frankfurter Oper geschickt nutzt. Die Kulissen sind fast ständig in Bewegung drehen sich oft gegeneinander, lassen wie ein Kaleidoskop kaum noch eindeutige Szenen erkennen. Alles fließt.
(…)
Getragen wurden die starken Bilder auf der Bühne bei der Premierenvorstellung von der Musik aus dem Orchestergraben, die beim britischen Gastdirigenten Paul Daniel in besten Händen lag. Er entlockte dem Frankfurter Opernorchester immer geschmeidigere Klänge und hielt die Dynamik im Zaum, so dass sich die Sänger feinfühlig entfalten konnten. Der finnische Tenor Jussi Myllys und die amerikanische Sopranistin Amanda Majeski als Liebespaar Sali und Vreli fanden im Laufe des Abends zu wunderbarer Stimm-Harmonie, ihre Duette berührten zutiefst, vor allem die naturhafte Szene in völliger Nacktheit im Paradiesgarten. Bemerkenswert auch der stimmliche Einsatz von Ludwig Höfle und Chiara Bäuml vom Kinderchor der Frankfurter Oper, die Sali und Vreli als Heranwachsende verkörperten. Die beiden Ensemblemitglieder Dietrich Volle und Magnús Baldvinsson verliehen den zerstrittenen Vätern Manz und Marti kernig-rustikale Präsenz, während Johannes Martin Kränzle als „Schwarzer Geiger“ in der Rolle des diabolischen Verführers seine immer wieder verblüffende stimmliche wie schauspielerische Gewandtheit demonstrieren konnte. Nicht zuletzt brachte sich der Chor (Einstudierung: Matthias Köhler) klangsensibel ein.
Am Ende dieser letzten Premiere der Saison im Opernhaus gingen die wenigen Buhrufe für die Regie im allgemeinen Publikumsjubel für das gesamte Ensemble unter. Und das völlig zu Recht.

Michael Dellith, Frankfurter Neue Presse


Wieder ins Schwarze
(…) Umjubelte Entdeckung in Frankfurt: Romeo und Julia auf dem Dorfe von Delius

(…) Umjubelte Premiere: An der Oper Frankfurt feierte Frederick Delius in Vergessenheit geratene Oper Romeo und Julia auf dem Dorfe einen späten Triumph.

Als „Aufschrei der Seele“ verstand Frederick Delius seine Musik. Berühmtes Bühnenwerk des im Jahr 1862 in England geborenen Komponisten ist die Oper Romeo und Julia auf dem Dorfe, die auf der Novelle von Gottfried Keller basiert. Diese wurde von einer Zeitungsnotiz über den Selbstmord eines jugendlichen Liebespaares inspiriert, dessen Familien eine Verbindung der Kinder nicht billigen wollten. Das lyrische Drama schildert in sechs Akten den tragischen Liebestod eines jungen Bauernpaares. An der Oper Frankfurt erlebte die heute kaum mehr bekannte Oper, deren englische Fassung im Jahr 1910 in Convent Garden uraufgeführt wurde, nun ihre umjubelte Frankfurter Erstaufführung.
Bereits die musikalische Qualität des zwischen Spätromantik und Moderne changierenden Werkes, das nicht nur Anklänge an Wagner, Strauss, Grieg und Debussy enthält, sondern bereits starke expressionistische Momente aufweist, rechtfertigt die Wiederentdeckung der in Deutschland nahezu vergessenen Oper. Unter der Leitung des Briten Paul Daniel ließ das Frankfurter Opernorchester die Musik mit ihren farbenreich instrumentierten Naturschilderungen, den gärenden Konflikten und ekstatisch Höhepunkten ungemein wirkungsvoll Gestalt annehmen.
So eigenwillig, mitreißend und klangintensiv, wie sie in Frankfurt am Premierenabend erklang, erschien die Oper zumindest aus musikalischer Sicht als echter Selbstläufer (…).
(…)
Mit der Wiederentdeckung von Frederick Delius hat die Frankfurter Oper wieder einmal ins Schwarze getroffen. Nach der Premiere wollte der Jubel kaum enden.

Silvia Adler, Darmstädter Echo


(…) Nach 100 Minuten tragen Delius‘ Musik und Höckmayrs Regie die Liebenden in den grausam stillen Tabletten-Freitod, zu dem Sali letztmals den Frack anlegt. Nicht einmal kitschig ist das, sondern in schwebendem Ton bedrückend erzählt – großes Musiktheater eben.

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier


(…) Wie in der literarischen Vorlage von Gottfried Keller scheitern zwei junge Menschen an den Verhältnissen, an ihren hasserfüllten Vätern, an der missgünstigen Öffentlichkeit, an der Vergangenheit, die nicht vergehen will – eben Romeo und Julia auf dem Dorfe. Der Regisseurin Eva-Maria Höckmayr und ihrem Bühnenbildner Christian Schmidt gelang es eindrucksvoll, die naturhafte, breit dahinströmende Musik in alptraumhafte Bilder umzusetzen. Unentwegt kreiste die Drehbühne, gab immer neue Blicke frei auf eine Irrgarten-Szenerie, in der das Auge selten Halt fand: Ein kahles Treppenhaus, eine Küche mit Kaninchenstall, dazwischen ein Blick ins Freie, auf ein Stückchen Brachland.
Das Liebespaar, das hier Sali und Vreli heißt, aber genauso gut Romeo und Julia sein könnte, taumelt gleich in sechsfacher Ausführung durch diesen Irrgarten des Lebens. Statisten verkörpern die beiden in allen Altersstufen, von der Kinder- und Pubertätszeit bis zum Rentenalter. All diese Lebensphasen werden optisch immer wieder nebeneinander gestellt, vor und zurück geblendet. Bühnentechnik und Abendspielleitung leisten Erstaunliches, um diesen ungemein magischen Kreislauf des Lebens und der Liebe in steter, fließender Bewegung zu halten. Ein unheimlicher Geiger, Sinnbild des Todes, lässt sich regelmäßig blicken, um den Liebenden ihre Endlichkeit und ihr Scheitern deutlich zu machen. (…)

Peter Jungblut, BR 2 / kulturWelt


(…) Ein knapp 95-minütiger Hit. (…)

Josef Becker, Bild Frankfurt


(…) Paul Daniels musikalische Leitung geht in keine dramatische Falle, sondern beharrt nachdrücklich und klangfarbensatt auf spätromantischer Lyrik, und das Frankfurter Opern-Orchester mit seiner Britten- und Strauss- und Debussy-Erfahrung übernimmt souverän die Hauptrolle.
Amanda Majeski ist eine intensive, klar und nuanciert artikulierende Vreli, und Jussi Myllys' lyrischem Tenor geht nie die Leuchtkraft aus. Viel besser kann man sich das titelgebende Paar kaum denken. Johannes Martin Kränzle ist ein schwarzer (und manchmal weißer) Geiger mit dämonischem Einschlag, der gleichwohl auch die poetischen, in verheißungsvolle Fernen reichenden Seiten dieser Figur hörbar macht. Magnús Baldvinsson und Dietrich Volle als Marti und Manz müssen sich als anfangs kraftstrotzende, später hilflose Lebensidioten darstellen, was vielleicht undankbar ist, ihnen aber vorzüglich glückt. Der Chor unter der Leitung von Matthias Köhler spielt bräsig triumphierende Volkstümlichkeit als kontrastierenden Hintergrund präsent und ausdruckssicher vor.
Romeo und Julia bleiben in dieser Inszenierung nicht auf dem Dorf. Ihr Dorf ist auch unsere Welt.

Hans-Jürgen Linke, Frankfurter Rundschau


(…) Ein Sonderlob ist den beiden Kindersolisten Chiara Bäuml und Ludwig Höfle, die beide dem Frankfurter Kinderchor (Einstudierung der Soli: Markus Ehmann) angehören, auszusprechen, die als Kinder Vreli und Sali durch sichere Intonation und natürliches Spiel für sich einnahmen. (…)

Lars-Erik Gerth, Maintal Tagesanzeiger


(…) Die heikelste Szene geriet zum Höhepunkt, Vrenis und Salis Nacht im „Paradiesgarten“: Das Glück ihrer Liebe ließ den Hintergrundprospekt mit Himmel, Fluss und Baum auf dem Kopf stehen – und von der fraulich sensiblen Regie dezent geführt, zog sich das Statistenpaar der „jungen Vreni und Sali“ ins „Adam-und-Eva-Kostüm“ aus und ging nach süßen, zarten Küssen strahlend wie auf Wolken auf uns zu – Blackout: einfach, überwältigend, unvergesslich. (…) Jubelstürme für ein tönendes „Be-Denk-Mal“ auf dem Theater.

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)


(…) Eine Frankfurter Erstaufführung, die ans Herz geht und Spuren hinterlässt.

Barbara Röder, www.klassik.com


Eva-Maria Höckmayr hat Frederick Delius' Oper Romeo und Julia auf dem Dorfe auf die Bühne gebracht. Gemeinsam mit Dirigent Paul Daniel und dem Frankfurter Opernorchester hat sie auf überzeugende Weise herausgearbeitet, wie schön das Stück ist. Es entsteht ein Imaginationsraum, der die Zeiten aufhebt.
(…)
Sali und Vreli – dieses Romeo-und-Julia-Paar aus der Schweiz – es wird in Frankfurt von Jussi Myllys und Amanda Majeski gesungen, lyrisch, liedhaft, in weiten spannungsvollen Bögen. Herausragend auch der Schwarze Geiger von Johannes Martin Kränzle. Er verfügt nicht nur über einen ebenso biegsamen wie kompakten Bariton, sondern auch über eine große schauspielerische Begabung.
(…)
Zudem spielt er selbst wie ein Profi die Violine auf der Bühne. Warum die Oper Romeo und Julia auf dem Dorfe so gut wie nie gespielt wird, mag aber auch daran liegen, dass man eine tragische Liebesgeschichte unter Alpenbauern für überholt hält. Da ist was dran. Aber die Frankfurter Inszenierung unter Eva-Maria Höckmayr entlockt dem Dorfdrama existenzielle Dimensionen. Es geht bei ihr um die Sehnsucht des Menschen nach Glück, nach der großen Liebe und wie alles hinter den Erwartungen und Hoffnungen zurückbleibt oder sogar vollkommen scheitert.
(…)
Bei Eva-Maria Höckmayr ist das ganze Geschehen eine Traumgeschichte, ein Gedankenstrom, eine Erinnerungsarbeit einer jungen Frau, der Vreli, in weißem Kleid in weißem Raum.
Die Zeiten ihres Lebens, Jugendzeit, Kindheit, hohes Alter vermischen sich auf der Drehbühne in ständig sich neu und ineinander und auseinander schiebenden Raumkulissen aus Küche, Treppenhaus, Hof und Feld. Vreli und ihr Freund Sali werden als Figuren verdoppelt, verdreifacht. Es entsteht ein Imaginationsraum, der die Zeiten aufhebt und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verquickt. Das Leben ein Traum, ein trauriger Traum vergeblicher Hoffnungen. Der dennoch Momente großer Schönheit und unaussprechlichen Glücks hervorbringt. Der Frankfurter Produktion gelingt Theater-Magie pur.

Christoph Schmitz, Deutschlandfunk Kultur heute


Zwei große Gastsänger machen den in englischer Sprache gesungenen Abend zum aufregenden Erlebnis: Allen voran die Amerikanerin Amanda Majeski, die bereits in Frankfurt mit Humperdincks Gänsemagd und Dvořáks Rusalka beeindruckende Frauenrollen formte. Ihre Vreli besticht mit schmerzlicher Intensität bei gleichzeitig innig ausgesungener Unschuld. Gemeinsam mit dem jungen, standfesten finnischen Tenor Jussi Myllys als Sali geben sie ein rundweg überzeugendes Titelpaar ab.
Ensemblemitglied Johannes Martin Kränzle hat als schwarzer Geiger in weißem Dress nicht nur ob seines Violinspiels starke Auftritte, sondern vor allem als verführerisch zwielichtige Figur, die beständig zwischen Bastardopfer, rechtmäßigem Brachlandbesitzer und Rattenfänger changiert. (…)
Am Pult evoziert der britische Gastdirigent Paul Daniel eine süffige Streicherlangsamkeit, aus der sich glutwarme Holzbläsermelodien herauslösen. Eindrucksvoll gelingt ihm im Verein mit dem Frankfurter Opernorchester der „Gang in den Paradiesgarten“ und die charismatische Schlusssequenz. (…)

Bettina Boyens, Gießener Allgemeine Zeitung


(…) Spektakulär die Liebesnacht im Gasthof „Zum Paradiesgarten“, das Paar im paradiesischer Blöße, was hier ganz natürlich wirkt – umrundet von dem teuflisch grinsenden Geiger. Unspektakulär dagegen der Liebestod per Tabletten, bei der Delius’ Impressionismen an Wagners Tristan gemahnen, um wie in kurzen Atemstößen zu verlöschen. Mag sein, dass die einsame Buh-Ruferin an der Notwendigkeit nackter Tatsachen zweifelte. Doch damit stand sie weitgehend allein.

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Regisseurin Eva-Maria Höckmayr gewann mit ihrer Inszenierung dem „lyrischen Drama in sechs Bildern“ eine erstaunlich politische Lesart ab. Denn das Ackerland, um das sich der Streit der Väter Manz und Marti entzündet und das Unglück der Kinder Sali und Vreli herbeiruft, wächst damit über den vom Komponisten selber sowie dessen Frau Jehlka Rosen-Delius und Charles Francis Keary in englischer Sprache für die Musik erstellten Text hinaus. Sorgfältig an Sprache und Ton entlang
entwickelt die Regisseurin das Bild von habgierig verderbten Menschen, die sich den Boden bis auf die letzte Krume untertan machen wollen. Das kleine Grün, das Glück ihrer Kinder, muss dafür weichen und begründet einen Streit, der zum Untergang aller führt.
(…)
Die Frage, ob Delius wiederentdeckt werden muss, bleibt eine akademische. So wie die Oper Frankfurt sie gelöst hat, ist aufregend und spannend, kann bei allem zarten Einfühlen, märchenhaftem Zauber und politischer Konnotation aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass erst diese Inszenierung von Romeo und Julia auf dem Dorfe der Komposition Leben eingehaucht hat.

Anneliese Euler, Main-Echo Aschaffenburg


(…) Keine Frage, dieses bemerkenswerte Stück gehört in den Spielplan der größeren Häuser. Und wer weiß, vielleicht findet sich ja in Delius' Schaffen mehr, was den Weg zurück auf die Bühne schafft – die Oper Frankfurt stellt in einem umfangreichen Begleitprogramm unter dem Titel Oper Finale eine Vielzahl weiterer Werke zur Diskussion.

Thomas Tillmann, www.omm.de


(...) Fazit: Eine fast in jeder Beziehung glänzende Umsetzung einer absolut empfehlenswerten Rarität, die die Fahrt nach Frankfurt mehr als lohnend erscheinen lässt.

Ludwig Steinbach, www.deropernfreund.de

Die Liebe der Danae,
konzertante Aufführung vom 15. Juni 2014


(…) Die Oper Frankfurt stellte nun in einer konzertanten Aufführung jenen höchst weltfernen, in der römischen Antike spielenden Dreiakter um den Gott Jupiter vor, der die liebende Danae an den Rivalen Midas verliert. Eine Besonderheit: Bei den Richard-Strauss-Tagen in Garmisch-Partenkirchen hatte das von Sebastian Weigle geleitete Frankfurter Ensemble bereits wenige Tage zuvor mit der konzertanten Aufführung gastiert, exakt am Geburtstag des Komponisten, der sich am 11. Juni zum 150. Mal jährte. Mit ihrer spätestromantischen, vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester geschärft bis gleißend ausgeleuchteten Tonsprache, mit ihren exorbitant hohen gesanglichen Anforderungen sperrt sich das Stück freilich auch wegen seiner hohen musikalischen Anforderungen gegen jede Repertoiretauglichkeit.
Wie gut also, dass die Oper Frankfurt auf der Basis ihres exzellenten Ensembles die Liebe der Danae nun in einer uneingeschränkt geglückten konzertanten Aufführung zur Diskussion stellen konnte. (…)

Axel Zibulski, Offenbach-Post


(…) Beim Frankfurter Termin war man immerhin des Bleigewichts der Bühnenrealisierung ledig. Und der gewissermaßen regieführende Sebastian Weigle tat alles, um Klarheit, Kontur, Straffheit herzustellen – in einer ebenso feinfühligen wie zuverlässigen Realisierung der Partitur, die der kompositorisch gewaltigen Organisationsleistung die nämlich souveräne der Klangwirklichkeit entgegenstellt. Man fühlte sich zu der Phantasie animiert, dass Weigles Darstellungsstil sich lebhaft dem des jüngeren Strauss (der alte dirigierte nurmehr wurschtig) anähnele – dessen spezifischer Mischung von Kaltblütigkeit und Sensitivität. Auch im Fließen und Drängen blieben die Orchesterereignisse transparent und farbgenau. Prägnant die eher dramatisch „eingreifenden“ als tableauartig betrachtenden Chöre (Einstudierung: Matthias Köhler).
Die meisten Vokalpartien stellen höchste Ansprüche. Das Quartett der Königinnen, ein tragendes Element der Oper, war dementsprechend hochkarätig besetzt (Britta Stallmeister, Barbara Zechmeister, Tanja Ariane Baumgartner, Katherina Magiera). Sehr ansprechend der mächtige, aber nicht überpathetische Jupiter (Bariton) von Alejandro Marco-Buhrmester. Lance Ryan führte seinen stämmigen Charaktertenor im Dauerforte ins Feld. Damit „half“ er vielleicht der schwer indisponierten Danae von Anne Schwanewilms, indem er vor allem beim Unisono-Duett des ersten Aktes die Kantilenen-Gravur quasi allein übernahm.
Im dritten Akt hatte die Sopranistin, die wohl mit einiger Selbstüberwindung die Aufführung überhaupt ermöglichte, ihre gewohnte Abendform wieder gefunden. Die Frankfurter Produktion einer gewaltig-erratischen Opernrarität hatte sich zu Recht auch dem diesjährigen Strauss-Traditionsfestival in Garmisch empfohlen. (…)

Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau


(…) In der zweiten Reihe glänzte das Ensemble: Beau Gibson (Pollux), Merkur (Peter Marsh), Karen Vuong (Xanthe), vor allem die im Stile von Wagners Rheintöchtern feixenden und klagenden vier Verflossenen Jupiters: Semele (Britta Stallmeister), Europa (Barbara Zechmeister), Alkmene (Tanja Ariane Baumgartner) und Leda (Katharina Magiera), sowie ihre gehörnten Ehemänner (Michael McCown, Yves Saelens, Björn Bürger und Franz Mayer). (…)

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse

April
MO DI MI DO FR SA SO
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30

Museumskonzert
Sonntag 14.04.2013 11:00 Uhr
Großer Saal der Alten Oper

Oper für Kinder
Sonntag 14.04.2013 13:00 Uhr
Oper Frankfurt Holzfoyer

DIE FLEDERMAUS
Johann Strauß
Sonntag 14.04.2013 19:00 Uhr
Opernhaus

Nächste Premiere:


SIRENEN - Bilder des Begehrens und des Vernichtens
Rolf Riehm
Sonntag 14.09.2014 18:00 Uhr
Opernhaus
 
Copyright © 2013 Oper Frankfurt