Pressestimmen zu den Premieren, Wiederaufnahmen und Liederabenden der Oper Frankfurt in der Saison 2014/2015


Mit den hier aufgeführten Pressestimmen dokumentiert die Oper Frankfurt grundsätzlich nicht die Kritiken in ihrer Gesamtheit. Vielmehr handelt es sich lediglich um eine Auswahl der erschienenen Rezensionen bzw. um Zitate daraus.

INHALTSVERZEICHNIS

Sirenen - Bilder des Begehrens und des Vernichtens, Uraufführung vom 14. September 2014


(…) Rolf Riehm, der drei Jahre lang im Teamwork mit Regisseur Tobias Heyder und den Dramaturgen Wolfgang Willaschek und Mareike Wink an seiner Sirenen-Oper gearbeitet hat, benutzt die Gestalten der Homer’schen Odyssee als Archetypen für urmenschliches Verhalten. Riehm zeigt, wie unser Handeln geprägt ist vom triebhaften Begehren, aber auch vom Vernichtungswillen. In den acht Szenen seiner knapp zweistündigen Oper führt er das ohne Pause schmerzhaft vor Augen und Ohren. Der Knackpunkt liegt freilich darin, dass es keine lineare Handlung gibt – und somit auch keinen alles überspannenden dramaturgischen Bogen. Umso stärker müssen die Szenen für sich sprechen. Und dies tun vor allem die Bilder, bei denen gesungen wird.
So hat die Zauberin Kirke gleich zu Beginn einen grandiosen Auftritt: Tanja Ariane Baumgartner vom Ensemble der Frankfurter Oper durchmisst in ihrem „Lamento“, einem Klagelied über den Weggang des geliebten Odysseus, nicht nur emotional alle Höhen und Tiefen, sondern auch stimmlich alle Register. Souverän und hochexpressiv gestaltet sie ihren Gesang, der Klage und Anklage zugleich ist, der Liebe und Hassgefühle vermengt, Schmerz und Wut verbindet. Passend dazu zeigen Videoprojektionen (Video: Christina Becker; Bühnenbild: Tilo Steffens) Sehnsuchts- und Erinnerungsbilder Kirkes, etwa wie sie Odysseus zärtlich berührt. Oder zerwühlte Bettlaken.
Odysseus selbst hat Riehm in zwei Personen aufgespalten: als singenden Countertenor, der dessen Seele verkörpert, und als sterbenden Menschen in einer Sprechrolle. Letztere verschafft dem populären TV- und Theatermimen Michael Mendl strapaziöse Auftritte, denn Mendl schont sich nicht.
(…)
Vom Speer seines Sohnes Telegonos (mit jugendlichem Impetus: Dominic Betz, ebenfalls in einer Sprechrolle) durchbohrt, schreit, wankt und taumelt Mendl als Odysseus über die Bühne. Es ist eine quälende Reise in den Tod, die den Protagonisten freilich nicht davon abhält, sich immer wieder nach den Objekten seiner Begierde, den Sirenen und einer Artistin (Antje Mertens), zu recken. Weitaus berührender aber ist Odysseus’ Alter Ego, von Countertenor Lawrence Zazzo verkörpert. Dieser betört mit sirenengleichem Gesang, vom Brustregister bis in höchste Höhen – ein faszinierender vokaler Drahtseilakt.
Und die Sirenen selbst? Für die acht Damen in weißen langen Gewändern mit Blondhaar-Perücke (Kostüme: Verena Polkowski) hat der Komponist nicht ausschließlich „schöne“ Töne parat. Auch sie dürfen im Gesang ihre „hässliche“ Seite zeigen. Wie Riehm überhaupt eine Musik komponiert hat, die sehr ausdrucksstark ist, oft schrill, aber auch sehr farbig, und die effektvoll Geräusche miteinbezieht. Dazu gehören Schläge auf Papier und Holzbohlen, das Kratzen mit einem Fuchsschwanz auf dünner Kunststoffplatte und eine singende Säge. Das vielfältige Instrumentarium wird vom Frankfurter Opernorchester unter der konzisen Leitung von Martyn Brabbins atmosphärisch dicht zum Klingen gebracht. (…)

Michael Dellith, Frankfurter Neue Presse

La Bohème, Wiederaufnahme vom 5. September 2014


Das hat wieder richtig Spaß gemacht

Puccinis La Bohème an der Frankfurter Oper in ihrer 100. Aufführung der Inszenierung von Alfred Kirchner (1997/98), brachte herrliche Stimmen.

(…) Mehrere Darsteller-Sänger sollen gelobt werden, allen voran die bezwingend schön und fein singende Mimì der Amerikanerin Karen Vuong, die sich in Sentimentalität streng zügelt, sanfteste Bewegungen an den Tag legt und in der Verliebtheit einen mädchenhaften Überschwang. Kurzum eine entzückende Person und ein wahrer Gewinn für das Opernensemble.
Der aus Guatemala stammende Tenor Mario Chang wird von der nächsten Saison an festes Ensemblemitglied – auch das ein feiner Zugewinn. Chang ist mit einer herrlichen Stimme begabt und auch mit der Macht der Strahltöne in der Höhe. Er ist ein geschmeidiger, spielfreudiger und sensibel auf die Situation eingehender Darsteller und Sänger.
Dann Musetta: Die temperamentvoll-kesse Sofia Fomin ist ebenfalls mit einer höchst wandlungsfähigen Stimme beschenkt. Sie fegt durch den angestaubten Laden (Bühnenbild: Andreas Reinhardt), wirbelt nach Lust und Laune die Männer auf, erliegt dann aber selber der Liebe. Diese Musetta-Fomina ist aber auch in der Lage, am schlechten Ende ehrlich-innigen Anteil an Mimìs Elend zu nehmen. Das übrige Ensemble: leichtsinnige Bohèmiens, die herumtollen wie übermütige Halbwüchsige und dabei lebhaft und durchweg gut singen. Diese Aufführung machte einem wieder Spaß.

Gabriele Nicol, Frankfurter Neue Presse


Überzeugende Ensembleleistung mit tenoralem Glanzlicht

Zehnte Wiederaufnahme, einhundertste Vorstellung, alle Rollen ausnahmslos mit Ensemblemitgliedern besetzt – das klingt nach lauwarmer Repertoire-Routine. Dass es dazu am vergangenen Freitag nicht kam, sondern dass ein vielversprechender Saisonauftakt gelang, belegt einmal mehr die glückliche Hand der Frankfurter Opernintendanz bei der Entdeckung junger Stimmen. Gleich bei drei Rollen vermerkte der Besetzungszettel ein Rollendebüt.
(…)
Richtigen Spaß macht es, den zweiten Debütanten Iurii Samoilov dabei zu erleben, wie er in der Rolle des Marcello aufgeht. In der vergangenen Saison gehörte der junge Bariton noch dem Opernstudio an. Mit dem Debüt als Marcello gibt er zugleich seinen Einstand als neues Ensemblemitglied. Er bewältigt die Herausforderung souverän. Seine Stimme besitzt einen wohltönenden Kern, ist in allen Registern ausgeglichen und überzeugt mit unangestrengter, geradezu tenoraler Höhe. Man merkt ihm die Freude darüber an, sich endlich in einer größeren Rolle beweisen zu können.
(…) Mario Chang führt sich in das Ensemble mit seinem Frankfurt-Debüt als Rudolfo ein. Mit der Aufnahme des gerade einmal 24 Jahre jungen Tenors aus Guatemala in das Opernensemble ist Intendant Bernd Loebe ein echter Coup gelungen. Eine solche Prachtstimme kaufen sich Opernhäuser üblicher Weise als Gast für wenige Vorstellungen ein. (…)
Geboten wird kein Wunschkonzert mit teuren Sängerstars, die nebeneinander her agieren, sondern eine Teamleistung mit vokalen Glanzlichtern. Die Oper Frankfurt zeigt sich zum Saisonbeginn bestens aufgestellt. Der konsequente Ausbau des Ensembles trägt schöne Früchte. Nach einer Bohème allein mit Bordmitteln auf diesem musikalischen Niveau wird man anderen Orts lange suchen müssen.

Michael Demel, www.deropernfreund.de

Mai
MO DI MI DO FR SA SO
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31

Oper für Kinder
Samstag 25.05.2013 13:30 Uhr
Oper Frankfurt Holzfoyer

Oper für Kinder
Samstag 25.05.2013 15:30 Uhr
Oper Frankfurt Holzfoyer

DIDO AND AENEAS / HERZOG BLAUBARTS BURG
Henry Purcell / Béla Bartók
Samstag 25.05.2013 19:30 Uhr
Opernhaus

Kaminski ON AIR - DER RING DES NIBELUNGEN
Samstag 25.05.2013 21:00 Uhr
Bockenheimer Depot

Kaminski ON AIR - DAS RHEINGOLD
Samstag 25.05.2013 21:01 Uhr
Bockenheimer Depot

Nächste Premiere:


HÄNSEL UND GRETEL
Engelbert Humperdinck
Sonntag 12.10.2014 18:00 Uhr
Opernhaus
 
Copyright © 2013 Oper Frankfurt