während diese Zeilen geschrieben werden, galoppieren die Nachrichten nur so: Welche Bank soll gerettet, welche enteignet werden; welche Partei stimmt zu, welche nicht. Wird die fahrlässig ausgelöste globale Krise uns auf Jahre erschüttern, das kommunale System hochgradig gefährden; wie werden Bund, Land und Stadt die Belastungen aufteilen im Sinne einer übergeordneten Gerechtigkeit?
Und: Kann, will, muss ein Musiktheater seinen Spielplan der Aktualität anpassen, den Zeitgeist umzingeln, um sich erst dadurch selbst zu legitimieren - als lebendiges Korrelativ der Zeitumstände? Wichtige Fragen, schwierige Antworten. Die Hoffnung sagt uns: Je gewissenhafter wir uns jeder einzelnen Aufgabe stellen, desto selbstverständlicher werden wir uns dem Kern der Werke und somit fast selbstverständlich allgemeingültiger Assoziation nähern. Märchenerzähler sind wir nicht. Neu sind die Dimensionen der globalen Gefräßigkeit und das Bedürfnis, sein Auskommen lieber durch günstige Spekulation denn durch sogenannte »ehrliche Arbeit« zu erwirtschaften.
Themen dieser Art dürfen durchaus unsere Regisseure beschäftigen, obwohl jede Oper ihren eigenen Kontext schafft und nicht zwangsläufig zu allen Themen dieser Welt Kommentare liefern kann.
Und wie wird unser Publikum reagieren? Gerade haben wir knapp die 11.000-Grenze der Abonnenten und damit einen Höchststand erreicht.
Die Premieren der Saison planen wir ohne Carmen oder Aida, ohne Mozart und Verdi! Dafür Zeitgenössisches, Barockes und auch wieder Raritäten. Bei genauerem Hinsehen ist es aber doch ein Spielplan der Ausgewogenheit, ein Spielplan, der Interesse wecken sollte, gerade weil er von Fantasie und Wagemut geprägt ist - als da wären: nun endlich der Simplicius Simplicissimus von Karl Amadeus Hartmann nach Grimmelshausen. In diesem Falle schmücken wir uns ein wenig mit fremden Federn, kam diese Produktion von Christof Nel doch 2004 in der Stuttgarter Oper heraus und wurde nach zahlreichen Vorstellungen ebendort und bei den Münchner Opernfestspielen uns zum Erwerb zur Verfügung gestellt. Ein Meisterwerk, das im Rückblick auf den Dreißigjährigen Krieg die Schreckenszeit der Naziherrschaft vorausahnt.
Die veristische Rarität L´oracolo von Leoni kombinieren wir mit Puccinis Einakter Le Villi, zwei Kostbarkeiten, erstmals in Frankfurt präsentiert. Nach Schreker und Zemlinsky in den Vorjahren machen wir bei Korngold und seiner Toten Stadt Station: Realität und Traum gehen eine enigmatische Symbiose ein. Wir präsentieren die deutsche Erstaufführung von The Tempest (Der Sturm) von Thomas Adès, einem der begabtesten englischen Komponisten der Gegenwart. Wieder wird Keith Warner sich, nach Lear, einem Shakespeare entlehnten Stoff zuwenden. Unser Interesse für Britten wird mit Owen Wingrave neue Nahrung erhalten. Und nach einem Jahr Pause werben wir umso heftiger für Barockes: mit Vivaldis Meisterwerk Orlando furioso und mit einer der vielen Versionender Bibelepisode von Judith; hier trauen wir dem Oratorium La Giuditta von Francisco António de Almeida die szenische Beglaubigung zu. Haben wir bei Arabella einen solchen stürmischen Publikumserfolg erwartet? Wir wünschen uns einen ebensolchen mit der raren Daphne von Richard Strauss in der Regie von Claus Guth. Die dramatische Legende La Damnation de Faust von Hector Berlioz, diesem genialen Egozentriker, wird gegen Ende der Spielzeit alle Kräfte abfordern, auch, weil im Jahr 2010 das Finale dem Komponisten Berlioz gewidmet sein wird. Konzertante Aufführungen in der Alten Oper erleben Anna Bolena (Donizetti) und La Rondine (Puccini).
Und - wir beginnen den Ring. Das Team wurde eigens neu geschmiedet: natürlich mit Sebastian Weigle in Leading-Position. Vera Nemirova bürgt für theatralischen Instinkt, Jens Kilian (unser Bühnenbildner von Parsifal, Tristan, Frau ohne Schatten) für visuelle Substanz, Ingeborg Bernerth (Kostüme) für kreativen Sachverstand in Zusammenarbeit mit den verschiedensten Regisseuren und Kollegen. Uns treibt das Ansinnen zu behaupten, dass der Ring eben doch aus einer Hand zusammengeschmiedet gehört und nicht durch viele Hände gehen sollte. Erste Ansichten auf das Modell und die Bühnenbildkonzeption machen uns Mut: ein Ring aus - vielleicht - einem Guss?
Bei den Regisseuren setzen wir auf solche Frankfurter Klassiker wie Keith Warner, Christof Nel, den Nestor der Regie-Zunft Harry Kupfer, auf gewohnte Gäste wie Claus Guth, Anselm Weber, Guillaume Bernardi und auf die jüngere Generation mit Sandra Leupold und Walter Sutcliffe. Seine erste Oper inszeniert ein großes Theatertalent: David Bösch - dessen Inszenierungen am Thalia in Hamburg, in Zürich, Essen, demnächst am Burgtheater in Wien und in Bochum prädestinieren ihn zu diesem Schritt.
Die neuen Namen im Ensemble: Alfred Kim und Julian Prégardien (Tenor), Paula Murrihy und Tanja Ariane Baumgartner (Mezzosopran), Katharina Magiera (Alt) und Thorsten Grümbel (Bass). Verlassen haben uns nach zum Teil vielen erfolgreichen Jahren der Zusammenarbeit Elzbieta Ardam, Bálint Szabó, Jussi Myllys, Stella Grigorian und Gregory Frank. Bei jedem liegt der Fall anders: Was bleibt, ist der große Dank des Hauses.
Sebastian Weigle wird in dieser neuen Spielzeit noch präsenter sein; schon in seiner ersten hat er Marksteine gesetzt. Ein Dank geht an den Patronatsverein, Sektion Oper, an die vielen Sponsoren und Stiftungen, die uns begleiten. Diese Bastion von Unterstützern wird auch in der kommenden Saison mithelfen, die Oper Frankfurt sicher durch alle Gefahren zu geleiten.
Ihr
Vorwort zur Saison 2009/2010
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Opernfreunde,
Sehr verehrtes Publikum,
zur Spielzeit 2009/2010 möchte ich Sie ganz herzlich begrüßen und freue mich sehr darüber, endlich ganz in der Mainmetropole Frankfurt angekommen zu sein. Schon in der vergangenen Spielzeit konnte ich feststellen, wie sehr Sie unserem Haus als treue Besucher verbunden sind. Ich spürte in den von mir geleiteten Premieren, wie der Funke übergesprungen ist und die Leistungen des Ensembles geschätzt und honoriert wurden: Ihr Applaus war dabei unser größter Lohn!
Nun möchte ich Sie gerne auf das breite Spektrum der kommenden Neuproduktionen und Wiederaufnahmen aufmerksam machen: Den opernhistorischen Bogen spannen wir diesmal vom frühen 18. Jahrhundert mit de Almeida und Vivaldi über die großen Opernkomponisten Mozart, Wagner, Strauss und Korngold, die Italiener Donizetti, Puccini und Verdi, den Franzosen Berlioz zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Britten und den Zeitgenossen Oehring und Adès. Meine erste Premiere der Saison am Dirigentenpult der Oper gebe ich mit Korngolds Die tote Stadt, die sich aufgrund höchster Schwierigkeiten für die beiden zentralen Figuren immer noch äußerst selten auf den Opernspielplänen wiederfindet. Dabei steht sie dem musikalischen Niveau wesentlich häufiger aufgeführter Strauss-Opern in nichts nach und verspricht Ihnen deshalb einen anregenden Opernabend.
Ein weiterer Höhepunkt der Saison wird im Frühjahr Wagners Das Rheingold - Auftakt zu einer vollständigen Inszenierungsreihe der Ring-Tetralogie in den nächsten Spielzeiten. Dabei freue ich mich besonders auf eine inspirierende Zusammenarbeit mit Vera Nemirova, die sich mit ihrer Tannhäuser-Inszenierung dem Frankfurter Publikum als Wagner-Kennerin vorgestellt hat. Dass wir beide nun zum ersten Mal den Ring »schmieden«, macht für mich einen zusätzlichen Reiz dieses Projektes aus.
Und nun : Blättern Sie doch in aller Ruhe durch diese Saisonbroschüre; finden Sie für sich selbst heraus, welche Produktionen Ihr besonderes Interesse wecken. Dann möchte ich Sie und Ihre Familien, Freunde und Bekannte zu diesen Stücken ganz herzlich einladen und wünsche Ihnen dabei viele unvergessliche Besuche in der Oper Frankfurt.
Ich freue mich auf Ihr Kommen!
Ihr
Nun möchte ich Sie gerne auf das breite Spektrum der kommenden Neuproduktionen und Wiederaufnahmen aufmerksam machen: Den opernhistorischen Bogen spannen wir diesmal vom frühen 18. Jahrhundert mit de Almeida und Vivaldi über die großen Opernkomponisten Mozart, Wagner, Strauss und Korngold, die Italiener Donizetti, Puccini und Verdi, den Franzosen Berlioz zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Britten und den Zeitgenossen Oehring und Adès. Meine erste Premiere der Saison am Dirigentenpult der Oper gebe ich mit Korngolds Die tote Stadt, die sich aufgrund höchster Schwierigkeiten für die beiden zentralen Figuren immer noch äußerst selten auf den Opernspielplänen wiederfindet. Dabei steht sie dem musikalischen Niveau wesentlich häufiger aufgeführter Strauss-Opern in nichts nach und verspricht Ihnen deshalb einen anregenden Opernabend.
Ein weiterer Höhepunkt der Saison wird im Frühjahr Wagners Das Rheingold - Auftakt zu einer vollständigen Inszenierungsreihe der Ring-Tetralogie in den nächsten Spielzeiten. Dabei freue ich mich besonders auf eine inspirierende Zusammenarbeit mit Vera Nemirova, die sich mit ihrer Tannhäuser-Inszenierung dem Frankfurter Publikum als Wagner-Kennerin vorgestellt hat. Dass wir beide nun zum ersten Mal den Ring »schmieden«, macht für mich einen zusätzlichen Reiz dieses Projektes aus.
Und nun : Blättern Sie doch in aller Ruhe durch diese Saisonbroschüre; finden Sie für sich selbst heraus, welche Produktionen Ihr besonderes Interesse wecken. Dann möchte ich Sie und Ihre Familien, Freunde und Bekannte zu diesen Stücken ganz herzlich einladen und wünsche Ihnen dabei viele unvergessliche Besuche in der Oper Frankfurt.
Ich freue mich auf Ihr Kommen!
Ihr