Der Opernbrand von 1987


Was im November 1987 geschah, liest sich im amtlichen Bericht der Frankfurter Branddirektion nüchtern: Am 12. November 1987 wurde das Bühnenhaus der Oper der Städtischen Bühnen durch einen Großbrand vernichtet.

Das ausgebrannte Opernhaus
Die Geschehnisse an diesem Tage jedoch waren hochdramatisch: Am 12. November 1987 um 3:19 Uhr gibt ein Ionisationsmelder im Kronenboden über dem Zuschauerraum der Oper Frankfurt Feueralarm. Die Meldung wird in der Brandmeldezentrale der Hausfeuerwehr und in der Einsatzleitstelle der Feuerwache 1 empfangen. Zwei Feuerwehrleute im Haus suchen den Auslöser und stoßen bald auf starke Rauchentwicklung und Funkenflug. Während sie versuchen, an den Brandort zu gelangen, machen sich alarmierte Löschzüge von drei Frankfurter Feuerwachen auf den Weg. Sie erreichen das Theater nur fünf Minuten nach dem Alarm. Bei nasskaltem Novemberwetter und böigem Wind beginnen sie ihren Kampf gegen das Feuer. Noch ahnen sie nicht, was auf sie zukommen würde. Die beiden Männer der Hausfeuerwache öffnen inzwischen die Tore zur Feuerwehreinfahrt und schalten die Stromversorgung für das Theater ab. Dann suchen alle gemeinsam nach dem Brandherd. Dazu der Bericht der Branddirektion: "Unmissverständliche Geräusche und starkes Knistern weisen den Weg zum brennenden Bühnenhaus. Versuche, die Türen zu öffnen, scheitern an dem gewaltigen Unterdruck, der im brennenden Bühnenhaus herrscht. Vom Zuschauerraum bietet die Bühne ein gespenstisches Bild. Der 16 Tonnen schwere Eiserne Vorhang ist bereits rot glühend. Rechts und links des Vorhangs brennen die Beleuchterbühnen. Die ersten Stuhlreihen im Parkett sind aufgrund der ungeheuren Wärmestrahlung bereits schwer beschädigt. Der Wachhabende der Hausfeuerwache nimmt mit einem C-Rohr die Brandbekämpfung im Zuschauerraum auf. Die ersten Trupps der Löschzüge kämpfen sich zum brennenden Bühnenhaus vor."

Inzwischen ist den Feuerwehrmännern klar geworden, dass der gesamte Bühnenturm brennt. Um 3:33 Uhr wird die höchste Alarmstufe ausgelöst, die weitere Löschzüge an den Ort der Katastrophe ruft. Sieben Minuten später das Inferno: Der Bühnenturm stürzt ein, ein Feuerregen geht auf die Neue Mainzer Straße nieder, wo die Löschmannschaft und erste Neugierige sich versammelt haben. Augenzeugen berichten, aus dem Bühnenturm seien Flammen 20 Meter hoch in den Himmel gestiegen. Immer mehr Rohre werden in Position gebracht, aber der Feuersturm, angefacht durch den Wind, lässt sich nicht eindämmen. Funkenregen wird vom Wind in Richtung des Hotels Steigenberger Frankfurter Hof gedrängt und die eben eingetroffene Freiwillige Feuerwehr Niederrad erhält den Auftrag, die benachbarten Häuser vor einem Überspringen des Feuers zu schützen. Der Einsatzleiter kann nun über eine auf dem Dach des Opernhauses aufgestellte Fernsehkamera das Ausmaß der Katastrophe überblicken und seine Männer besser einsetzen. Jetzt schießt das Wasser aus so vielen Rohren, dass die Versorgungsleitungen nicht mehr ausreichen. Die Männer aus Niederrad verlegen darum zwei Schlauchleitungen zum Main in Höhe der Untermainbrücke. Weitere Feuerwehren treffen ein. Der Einsatzleiter kennt die Gefahren, die bei solchen Katastrophen auf seine Männer lauern, immer wieder lässt er durchzählen. Inzwischen ist die Berufsfeuerwehr vollständig an der Oper versammelt und die Branddirektion ruft die Freiwilligen aus Enkheim, Hausen, Oberrad, Seckbach und Unterliederbach zu den im Stadtgebiet verteilten Feuerwachen, um gegen Brände an anderen Stellen der Stadt gewappnet zu sein. Der Bühnenturm bietet jetzt ein Bild der Zerstörung, ein Gewirr aus Stahlträgern, verkohlten Holzteilen, Eisenstangen, Mauerresten und zerstörten Kulissen bedeckt als hoher Schuttberg den Boden und birgt noch viele Brandnester. Zu allem Überfluss beginnt dann auch noch das Farbenlager der Bühnenbildner zu brennen und die Feuerwehr hat Mühe, diese neue Gefahr zu bannen. Aus einer Probebühne haben Feuerwehrleute Musikinstrumente im Wert von ca. 150.000 Euro gerettet.

Erst nach sechs Tagen kann die Feuerwehr endgültig melden, dass alle Feuer gelöscht sind. Das Löschwasser wird aus den Kellern gepumpt, die Aufräumarbeiten beginnen.

Wie war der Brand entstanden? Ein Mann war durch ein Fenster der Städtischen Bühnen eingestiegen, angeblich um nach Essbarem zu suchen. Er fand nichts, entzündete aus Ärger Zeitungen und ließ das Feuer auf die Kulissen überspringen. Als er feststellte, dass sich sein Zündeln zu einem Großbrand entwickelte, floh er. Noch in der gleichen Nacht meldete er sich über den polizeilichen Notruf und bekannte sich zu der Brandstiftung. Den Beamten im Polizeipräsidium gelang es, ihn so lange in ein Gespräch zu verwickeln, bis der Ort des Anrufers ermittelt war. Eine Funkstreife griff den Mann auf, der zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, von denen ihm ei Drittel erlassenwurde.

Der Brand, der die Opernbühne zerstörte und weitere Teile des Hauses in Mitleidenschaft zog, zwang den großzügige und moderne Einrichtungen gewohnten Künstlern mehr als drei Jahre Improvisation auf. Das Schauspiel verlegte seine Wirkungsstätte in das Bockenheimer Depot (das damit als großartige Spielstätte entdeckt wurde und bis heute auch von der Oper genutzt wird), die Oper zog seinerzeit um auf die vom Brand unberührt gebliebene Schauspielbühne.

Nach dem Wiederaufbau der Oper, der fast 3 1/2 Jahre in Anspruch nahm, verfügt das Haus über eine hochmoderne bühnentechnische Anlage. Insbesondere ist der Brandschutz in einer Weise optimiert worden, die eine solche Brandkatastrophe ausschließt.
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ORLANDO FURIOSO (Der rasende Roland)
Antonio Vivaldi
Freitag 14.02.2014 19:00 Uhr
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