Oper Frankfurt
Premiere

DAS RHEINGOLD
Richard Wagner
1813 - 1883

Vorabend des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen

Text vom Komponisten
Uraufführung am 22. September 1869, Königliches Hof- und Nationaltheater, München

In deutscher Sprache mit Übertiteln
Dauer: ca. 2 1/2 Stunden ohne Pause

ZUM WERK

Es beginnt mit dem Anfang von allem. Aus dem Urgrund des tiefen »Es« im Orchester erwächst nach und nach ein Dreiklang, allmählich und fast unmerklich ergeben sich rhythmische Strukturen, klanglich zunehmend angereichert: Das organische Werden der Natur schwillt an zu einem großen Crescendo, greift immer weiter aus - bis es schlagartig in die bevölkerten Tiefen des Rheins mündet.
Aber ist es wirklich der Anfang? Vieles ist in der hier geschilderten Welt geschehen, bevor überhaupt die ersten singenden Figuren auftreten. Im Rheingold, im ganzen Ring überlagern sich die Zeitschichten, öffnen sich je nach Sichtweise der redenden Figuren widersprüchliche Blickwinkel. Die Mehrdeutigkeit der Ereignisse, die Ambivalenz allen Handelns erweist sich immer wieder aufs Neue. Keinem Einzelnen gehört die ganze Wahrheit.
So wie Wotan, der die Welt gestalten, sie nach seinen Vorstellungen einrichten will. Er entwirft eine Ordnung für das, was zuvor ordnungsloses Chaos war. Seine Gesetze erst stellen dauerhafte Beziehungen her zwischen den Bewohnern der Welt. Was vorher wilde Vegetation war, wird zur Zivilisation; erst dank Wotans Errungenschaft ergeben sich Verflechtungen, geschäftliche Verbindlichkeit, persönliche Verlässlichkeit. Doch im Bestreben, diese neue Ordnung und mit ihr seine Macht zu festigen, verfällt Wotan einem Irrtum: Er - der für die Erkenntnis ein Auge hingab - übersieht, dass Gesetze, sollen sie Allgemeingültigkeit beanspruchen, für alle gelten müssen - und dass der Gesetzgeber sich nicht außerhalb seiner selbst geschaffenen Ordnung stellen kann. Dieser Irrtum hat sich ereignet, als Wotan mit den Riesen einen Vertrag zum Bau einer Burg schließt, seinen Teil der Verpflichtung aber nie zu erfüllen beabsichtigt. Alles, was danach geschieht, steht unter der Prämisse, diesen Sündenfall wieder aus der Welt zu bringen. Aber er ist ihr als Webfehler eingeschrieben: Macht und Liebe streben auseinander. Noch ehe die eigentliche Handlung des Bühnenfestspiels beginnt, weiß Loge, wohin es führt: »Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen.«
Richard Wagner begann seine Beschäftigung mit dem Nibelungen-Stoff Ende der 1840er Jahre. Da war er Revolutionär, ja Anarchist. Das Ende der Welt, wie sie war, schien ihm nötig, um eine neue, bessere auf den Trümmern der alten aufzubauen. In dem Mythos vom Untergang der Nibelungenwelt sah er diese Situation vorgebildet, und er begann, sich den Mythos zum Operntext zu gestalten. Sozusagen auf den Dresdner Barrikaden entwarf er Siegfrieds Tod. Bald wurde ihm klar, dass sich dieses Weltfinale nur mit seiner Vorgeschichte erzählen lassen würde. So fächerte er seinen Entwurf immer weiter auf, teilte ihn in mehrere Partien und arbeitete sich über Siegfried und Walküre bis zum »Vorabend« Rheingold zurück. Die Partitur des Zyklus´, begonnen 1853, entstand auf umgekehrtem Wege und wurde, inklusive einer siebenjährigen Unterbrechung in der Mitte von Siegfried, 1874 abgeschlossen. Rückwärts konzipiert und vorwärts komponiert: Ein Vierteljahrhundert lang befasste sich Wagner mit dem Stoff, bis nicht nur die Gestaltung beendet war, sondern auch die Darbietung seinen Vorstellungen gemäß zu verwirklichen schien.
Eine neue Art der Operndichtung, eine neue Art der Textvertonung, eine neue Art des musikalischen Dramas war entstanden: eine Parabel auf die menschliche Zivilisation ebenso wie eine exemplarische Familiengeschichte, eine Erzählung über die Entstehung von Geschichtlichkeit und eine Mahnung vor der Zerstörung der Natur. Dieses 16-stündige Musiktheaterwerk ist mithin kaum in einer einzelnen Erzählweise zu fassen. Jede Aufführung muss sich auf bestimmte Aspekte beschränken, jede Generation ihren spezifischen Zugang finden. In Frankfurt soll nun ein neuer Versuch dazu unternommen werden.

DER RING IN FRANKFURT

Nur zwei vollständige Ring-Inszenierungen hat die Oper Frankfurt seit 1945 bisher erlebt. Zwei Ansätze Anfang der 1960er und Mitte der 1970er Jahre gerieten ins Stocken und kamen nach jeweils zwei Inszenierungen vorzeitig zum Ende. Komplettiert wurden dagegen der aufsehenerregende Ring von Michael Gielen, Ruth Berghaus und Axel Manthey 1985 -1987 und die - aus Brüssel übernommene und in Frankfurt von Anfang an zyklisch gezeigte - Produktion von Herbert Wernicke 1994/1995, die musikalisch von Sylvain Cambreling geleitet wurde.
Nun sind wiederum 15 Jahre vergangen: Es scheint also an der Zeit, in der Stadt, die hierzulande paradigmatisch für die (Ohn)Macht des Geldes steht, eine neue Interpretation des Werkes zu erarbeiten, das wie kein anderes von der unauflöslichen Verstrickung von Herrschaftswillen und Schuldigwerden handelt und mit der Unmöglichkeit ringt, Macht und Liebe in Einklang zu bringen. Vor der Oper Frankfurt strahlt die Euro-Skulptur der Europäischen Zentralbank: Auch sie ist, wie der Ring, Sinnbild für die Essenz von Alberichs Fluch, der uns noch immer verfolgt: »des Ringes Herr als des Ringes Knecht«.
Mit der Inszenierung von Das Rheingold und sukzessive der gesamten Ring-Tetralogie ist ein Team von Künstlern betraut, die in dieser Zusammensetzung erstmals miteinander arbeiten und gleichwohl - jeder für sich - schon Erfahrung mit Wagner und Produktionen in Frankfurt vorzuweisen haben. Sebastian Weigle hat in den vergangenen Jahren die Meistersinger von Nürnberg in Bayreuth dirigiert, Vera Nemirova bei ihrem Frankfurt-Debüt Tannhäuser inszeniert; für beide ist es die erste eigenständige Auseinandersetzung mit dem Ring des Nibelungen. Jens Kilian wird, nachdem er in Stuttgart für Das Rheingold den Raum gestaltet hat, das Bühnenbild für den gesamten Zyklus bauen. Ingeborg Bernerth hat bereits die Kostüme zu einem Gesamt-Ring in Nürnberg entworfen. Auch in der Sängerbesetzung ergänzen sich erfahrene Wagner-Interpreten und Rollendebütanten, internationale Gäste und Ensemblemitglieder.

DIE GEPLANTEN TERMINE FÜR DIE WEITEREN TEILE DES RINGS

DIE WALKÜRE Sonntag, 31. Oktober 2010
SIEGFRIED Sonntag, 30. Oktober 2011
GÖTTERDÄMMERUNG Sonntag, 29. Januar 2012

Im Juni 2012 sind zwei RING-Zyklen geplant.

Mit freundlicher Unterstützung der Landesbank Hessen-Thüringen Sponsorenlogo Landesbank Hessen-Thüringen
Termine

Sonntag 02.05.2010

Weitere Termine:
07.05.2010  | 15.05.2010  |
22.05.2010  | 03.06.2010  |
06.06.2010  | 12.06.2010

Mitwirkende
Musikalische Leitung
Sebastian Weigle
Regie
Vera Nemirova
Bühnenbild
Jens Kilian
Kostüme
Ingeborg Bernerth
Dramaturgie
Malte Krasting
Licht
Olaf Winter
Videosequenzen
Bibi Abel

Wotan
Terje Stensvold
Donner
Dietrich Volle
Froh
Richard Cox
Loge
Kurt Streit
Alberich
Jochen Schmeckenbecher / Johannes Martin Kränzle
Mime
Hans-Jürgen Lazar
Fasolt
Alfred Reiter
Fafner
Magnus Baldvinsson
Fricka
Martina Dike
Freia
Barbara Zechmeister
Erda
Meredith Arwady
Woglinde
Britta Stallmeister
Wellgunde
Jenny Carlstedt
Floßhilde
Katharina Magiera

Frankfurter Opern- und Museumsorchester

 
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