Vorwort zur Saison 2012/2013


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Opernfreunde,

Bernd Loebe
Gesang ist immateriell. Man kann ihn nicht anfassen, und er ergreift uns doch mit unwiderstehlicher Macht. Es sind nur Schwingungen der Luft, aber sie versetzen auch unsere Seele in Schwingung – und manchmal spüren wir sie sogar körperlich. Dieses Phänomen lässt sich Abend für Abend in der Oper erleben. Es ist ein "Spiel von Seele und Körper": Das könnte das Motto unseres Opernhauses sein. Es ist auch, in deutscher Übersetzung, der Titel der letzten Premiere unserer neuen Saison: Rappresentazione di anima e di corpo, eines Stückes des Komponisten der Renaissance, Emilio de’ Cavalieri. Auf unseren Wunsch hin führt der Komponist Klaus Lang dieses Werk mit musikalischen Ergänzungen bis ins Heute fort. So soll ein Bogen geschlagen werden aus der Zeit, in der die Gattung »Oper« noch kaum das Licht der Welt erblickt hatte, bis in unsere Tage, da die Zukunft der Oper ganz neu erdacht werden muss.
   Wie vieles zwischen diesen beiden Polen Platz hat, zwischen den frühesten Anfängen und der unmittelbaren Gegenwart, sollen die 185 Vorstellungen zeigen, die wir in der Saison 2012 / 2013 spielen wollen: Unsere Premieren, wie in den vergangenen Jahren 13 an der Zahl, folgen unserer Devise, die ganze Vielfalt des Opernrepertoires anzubieten und immer wieder eine große Bandbreite von Epochen, Stilen und Genres zu präsentieren – sowohl, was die Werke, als auch, was die Inszenierungen betrifft. Vom 16. bis ins 21. Jahrhundert reicht der Rahmen, Entdeckenswertes ist genauso dabei wie Klassiker (aber selbst die eher abseits der gewohnten Pfade: Puccinis La fanciulla del West ist erst ein einziges Mal – 1958! – an der Oper Frankfurt inszeniert worden), junge Regisseure inszenieren ebenso wie international gefragte Künstler und erfahrene Meister ihres Fachs.
   Eine Rarität soll die Saison eröffnen: Samuel Barbers Oper Vanessa, die in Deutschland fast nie zu sehen ist, kommt erstmals nach Frankfurt in einer eindrucksvollen Produktion der jungen Regisseurin Katharina Thoma (die als Assistentin bei uns ihre Karriere begann). Mit Humperdincks Königskindern und Debussys Pelléas et Mélisande folgen die Geschichten zweier Paare, einmal im Klang der deutschen Spätromantik, einmal in dem des französischen Symbolismus, doch beide tragisch endend. David Bösch und Claus Guth führen Regie bei diesen einander so nahen und doch so gegensätzlichen Werken. Die Königskinder sind – anders als Komponist und Titel denken ließen – kein Märchen für Kinder, sondern eine tiefe Auseinandersetzung mit dem Erbe Richard Wagners und Erkenntnissen der Psychologie. Amanda Majeski, die die Gänsemagd singt, wird in Zukunft eine wichtige Rolle bei uns spielen; als Prinz kehrt Daniel Behle an die Oper Frankfurt zurück. Giulio Cesare in Egitto ist vielleicht Händels reichhaltigste und kurzweiligste Oper aus seiner Reifezeit; ihren souveränen Kontrast zwischen Tragik und Komik bringt der junge Regisseur Johannes Erath auf die Bühne. Auch Prokofjews Konversationsoper Der Spieler (nach dem Roman von Dostojewski) erlebt ihre Frankfurter Erstaufführung. Harry Kupfer inszeniert dieses Werk, das im als »Roulettenburg« getarnten Wiesbaden spielt, zum ersten Mal. Mozarts Idomeneo haben wir schon vor vier Jahren einem jungen Schauspielregisseur anvertraut, der zu dem Zeitpunkt noch gar keine Oper inszeniert hatte. In der Zwischenzeit hat Jan Philipp Gloger mehrmals gezeigt, wie gut er auch mit dem Musiktheater umgehen kann; im Sommer 2012 gibt er mit dem Fliegenden Holländer sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen. Auch der Regisseur Tilmann Köhler kommt vom Schauspiel und gibt bei uns sein Musiktheater-Debüt – mit Teseo (Theseus), Händels dritter Londoner Oper, die von großer kompositorischer Frische geprägt und mit brillanten Gesangspartien durchsetzt ist. Richard Jones war zunächst einer neuerlichen Einladung nach Frankfurt gefolgt, um Puccinis La fanciulla del West zu inszenieren. Inzwischen hat sich jedoch ergeben, dass seine eigene Disposition dies unmöglich macht. Glücklicherweise konnte Christof Loy gewonnen werden, um bei dieser wunderbaren Wild-West-Oper Regie führen. Die Zusage beruht nicht zuletzt auf seiner engen Verbundenheit zur Oper Frankfurt. Jüngst realisierte er im übrigen das Stück mit großem Erfolg an der Königlichen Oper in Stockholm. Verdis Vêpres siciliennes sind – zumal in der französischen Originalfassung – eine seltene Erscheinung auf deutschen Opernbühnen. Wir feiern damit (und mit dem dazugehörigen Rahmenprogramm Oper Finale) das Verdi-Jahr 2013. Die sizilianische Vesper enthält mit der Herzogin Hélène eine Partie, die Elza van den Heever wie auf den Leib geschrieben ist. Es wird ihre letzte Premiere als Frankfurter Ensemblemitglied sein – aber es soll schon bald danach ein Wiedersehen geben.
   Auf die Auftritte vieler anderer Sänger freuen wir uns nicht minder: Einige »Ehemalige«, die uns als Ensemblemitglieder oder als Gäste schon länger eng verbunden sind, kehren an die Oper Frankfurt zurück: Clive Bayley als General in Der Spieler wie auch als Hagen, Joseph Calleja als Riccardo im Maskenball, Christian Gerhaher als Pelléas, Michael Nagy als Cäsar in Giulio Cesare in Egitto, Camilla Nylund als Elsa im Lohengrin, Roberto Saccà als Idomeneo, Eva-Maria Westbroek als Minnie in La fanciulla del West. Besonders freuen wir uns auf die große Anja Silja, die als Großmutter im Spieler eine Paraderolle übernimmt.
   Von den vielen Wiederaufnahmen, die unsere Premieren ergänzen, möchte ich zwei herausgreifen: Da wäre zum einen Axel Cortis Inszenierung von La Traviata, unsere am längsten gespielte Produktion, die mit Aleksandra Kurzak eine glanzvolle neue Titelbesetzung erhält und von dem hochbegabten Dirigenten Omer Meir Wellber geleitet wird. Zum anderen möchte ich Sie auf Mussorgskis Chowanschtschina hinweisen, eine Herausforderung für jedes Opernhaus, die wir mit einer kompletten Neueinstudierung angehen – musikalisch geleitet u. a. von Lawrence Foster und in einer grandiosen, von Daveda Karanas angeführten Besetzung. Nicht viele Worte zu verlieren brauche ich wohl zum Ring des Nibelungen. Der Zuspruch, den diese Aufführungen erhalten haben, hat unsere Erwartungen weit übertroffen.
   Zum Wagner-Jahr zeigen wir zwei weitere Male den kompletten Zyklus. Unser Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, unter dessen Leitung unser Orchester schon dreimal zum »Orchester des Jahres« gewählt wurde, dirigiert nicht nur diese Ringe, Rienzi und Königskinder, sondern auch Prokofjews Spieler sowie mit Puccini auch wieder italienisches Repertoire und beweist damit seine große stilistische Vielseitigkeit.
   Außer den schon erwähnten Dirigenten wird wieder eine namhafte Riege von Gästen ans Pult des Opern- und Museumsorchesters treten: Bertrand de Billy (Lohengrin), Jonathan Darlington (Vanessa), Riccardo Frizza (Otello), der Solti-Preisträger José Luis Gómez (La Bohème), Pablo Heras-Casado (Die sizilianische Vesper), Julia Jones (Idomeneo), Friedemann Layer (Pelléas et Mélisande) und Carlo Montanaro (Don Carlo).

Mögen auch Sie uns in der kommenden Saison wieder oft besuchen. Es gibt für die Künstler wohl kaum Schöneres als die spannungsreiche Atmosphäre eines vollen Saals. Und ich, als Intendant, kann mir nichts mehr wünschen als glückliche Künstler und ein glückliches Publikum. So hoffe ich, dass es sich in der Oper Frankfurt wieder häufig ereignen wird, jenes Wunder des »Spiels von Seele und Körper«.

Ihr

Liebes Publikum,

Sebastian Weigle
dieser Stelle möchte ich Sie ganz herzlich einladen, sich mit unserer neuen Saisonbroschüre einen Überblick über die Vorstellungen, Veranstaltungen und Aktivitäten der Oper Frankfurt zu verschaffen.
   In der vergangenen Saison konnten wir den Ring zu Ende schmieden – für mich ein Gefühl, als wäre ein Lebensabschnitt zu Ende gegangen. Und auch mein zweites großes Vorhaben, alle Opern Richard Wagners dirigiert zu haben, ging mit der Aufführung des Liebesverbots auf – den gesamten Zyklus seiner drei Jugendwerke werden wir im Mai mit Rienzi vollenden, dem letzten Werk in dieser konzertanten Reihe. In meinen drei Neuproduktionen lässt sich mit einem sehr persönlichen Blick ein roter Faden entdecken: Wir schreiben Dezember 1910 – innerhalb von nur drei Wochen bringt die Metropolitan Opera zwei Werke bereits erfolgreich etablierter Komponisten zur Uraufführung: Humperdincks Königskinder, nach dem Erfolg von Hänsel und Gretel nun eine Märchenoper für Erwachsene, ergibt sich in große Orchesterpolyphonien und macht in ihrer symbolhaften Motivik die Tragik des Menschen hörbar. Ob wir, wie in der Uraufführung in New York, lebende Gänse auf der Bühne zu sehen bekommen? Lassen Sie sich überraschen! Sehr viel amerikanischer ging es dann nicht nur inhaltlich bei der Premiere von La fanciulla del West zu – Jazzelemente, ein Indianerlied und etwas Belcanto findet man in der groß besetzten Partitur, doch die gewohnten großen gesanglichen Passagen und Bögen seiner vorangegangenen Opern La Bohème, Tosca oder Madame Butterfly blitzen nur gelegentlich auf. Meine persönliche »Uraufführung« von Prokofjews Der Spieler erlebte ich vor einigen Jahren ebenfalls an der Met und war sofort überwältigt von dieser kraftvollen, epischen Partitur mit ihren freitonalen Harmoniefolgen, ihrer virtuosen Orchestrierung und einem deklamatorischen Konversationsstil. Nach Tschaikowskis Pique Dame beschäftige ich mich nun also wieder mit einer russischen Oper, die das Spielen zum zentralen Thema hat.
   Ich danke auch Ihnen für das mir entgegengebrachte Vertrauen, das meine Vertragsverlängerung als Generalmusikdirektor möglich gemacht hat. Auszeichnungen, wie die erneute Ernennung zum »Opernorchester des Jahres«, werden erst durch Ihre positive Rückmeldung zum Erfolg dieses Opernhauses!
   Ich hoffe, ich konnte Ihnen Lust auf Mehr machen und wünsche Ihnen viele unvergessliche Besuche an der Oper Frankfurt,

Ihr
Juni
MO DI MI DO FR SA SO
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Museumskonzert
Sonntag 23.06.2013 11:00 Uhr
Großer Saal der Alten Oper

Oper Finale 2013
Sonntag 23.06.2013 13:00 Uhr
Holzfoyer

EIN MASKENBALL
(Un ballo in maschera)
Giuseppe Verdi
Sonntag 23.06.2013 19:30 Uhr
Opernhaus

Nächste Premiere:


DON GIOVANNI
Wolfgang Amadeus Mozart
Sonntag 11.05.2014 18:00 Uhr
Opernhaus
 
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