Spielplan

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Anna Caterina Antonacci (Sopran)
Donald Sulzen (Klavier)

Schubladen sind nicht ihre Sache. Allein die Stimme passt in kein Fach: Anna Caterina Antonacci verfügt über das warme, geschmeidige Timbre eines Mezzosoprans, kann sich aber auch mühelos in Sopranhöhen hinaufschwingen. Dabei bewegt sich die Italienerin in den unterschiedlichsten musikalischen Epochen; zwischen Barock, Belcanto und Moderne. Wenn sie nicht eine der mythen-umwobenen Frauenfiguren der Operngeschichte wie Armide, Cassandre, Carmen oder Penelope verkörpert, widmet sich die Künstlerin in jüngerer Zeit anspruchsvollen Lied- und Konzertprogrammen. Gemeinsam mit ihrem Pianisten Donald Sulzen interpretiert sie mit Vorliebe Populäres und weniger Bekanntes aus der Zeit der Belle Époque. Italienische Kunstlieder von Respighi und Hahn, französische Mélodies von Debussy, Fauré und Ravel treffen auf eine Sängerin, die ihr Publikum mit großem Gespür für Poesie und entwaffnender Natürlichkeit für sich einzunehmen weiß. Mit Poulencs Mono-Oper La Voix humaine, die Anna Caterina Antonacci in den letzten Jahren von Paris über Brüssel, London bis nach San Francisco konzertant wie szenisch zur Aufführung brachte, überzeugte sie als einfühlsame Darstellerin.

Anna Caterina Antonacci wird bei ihrem Frankfurter Liederabend neben Donald Sulzen am Klavier vom Hindemith Quartett begleitet.

Ingo de Haas, Violine
Joachim Ulbrich, Violine
Thomas Rössel, Viola
Daniel Robert Graf, Violoncello

Das detaillierte Programm finden Sie hier.

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In die Nähe eines Monodramas kam der Liederabend mit der italienischen Sopranistin Anna Caterina Antonacci im Frankfurter Opernhaus. Das lag an der eleganten Auswahl, die sich vom Schwinden und hörbaren Untergehen der sterbenden Ophelia bei Hector Berlioz zu den melancholischen bis jammerigen, dabei aber doch gutgelaunten Venedig-Liedern Reynaldo Hahns bewegte. Vom Tod zum Leben, muss man sagen, und andersherum wäre es angesichts des intensiven Vortrags Antonaccis vermutlich schwer auszuhalten gewesen.
Denn die vor kurzem 56 Jahre alt gewordene Opernsängerin ist in Bild und Ton eine meisterhafte Darstellerin nach innen gewandter und darum atemberaubender Traurigkeiten und Verzweiflungen. (…) Sie gehört offenbar zu den Großbühne-Erfahrenen, die sich ohne weiteres auch auf Kammer-Situationen einstellen. Alles war sehr intim, während Claude Debussys mystifizierenden Liedern von Bilitis und einer delikaten Ottorino-Respighi-Auswahl, in der Antonacci umstandslos in einen singenden Erzählton wechselte. Interessant war überhaupt, wie sie klassischen, sehr souveränen, geradezu coolen Schöngesang mit dem Individuellen der Charakterstücke verband, ohne schroff oder exaltiert zu klingen.
(…) Für den Hauptteil des Abends war der US-Amerikaner Donald Sulzen Antonaccis Begleiter, ein offenbar blendend aufeinander eingespieltes Team.

Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


(…) Sulzen hatte bei diesem Liederabend auch einmal Pause. Ottorino Reshighis 1910 bis 1915 entstandene kantatenförmige Gesänge Il tramonto sind für Singstimme und Orchester komponiert, und an die Stelle dieses Klangkörpers trat beim Frankfurter Liederabend ein Streichquartett: das Hindemith-Quartett, benannt nach dem Komponisten. Der Zusammenklang zwischen der sanften Stimme der Sängerin und den vier Streichinstrumenten betörte. Ingo de Haas und Joachim Ulbrich (Violinen), Thomas Rössel (Viola) und Daniel Robert Graf (Cello) machten die traurige Geschichte zweier Liebender, von denen der Mann stirbt, ohne die Sonne jemals wirklich gesehen zu haben (nach dem englischen Romantiker Percy Shelley), besonders authentisch.
(…)
Italienisch-französisch war auch der zweite Programmteil bestimmt: Auf die sieben mit leichter musikalischer Geste geformten Poulenc-Lieder folgten fünf Volksmelodien von Maurice Ravel sowie Reynaldo Hahns fünfteilige Sammlung Venezia, mit denen die Sängerin die Sehnsucht nach dem Süden beim Zuhörer entfachte. Man hörte die Gondoliere singen und spürte die Anmut venezianischer Leichtigkeit.
Auch diese Erfahrung war für diesen Abend mit einer außergewöhnlichen Künstlerin ganz speziell.

Matthias Gerhart, Frankfurter Neue Presse