Spielplan

zur Übersicht

Roberto Devereux konzertante Aufführung

Gaetano Donizetti 1797-1848

Tragedia lirica in drei Akten
Text von Salvadore Cammarano nach der Tragödie Élisabeth d’Angleterre (1829) von Jacques-François Ancelot
Uraufführung am 29. Oktober 1837, Teatro San Carlo, Neapel

Konzertante Aufführung
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung im Holzfoyer

Musikalische Leitung Giuliano Carella
Elisabeth I. Adela Zaharia
Der Herzog von Nottingham Juan Jesús Rodríguez
Sara Alice Coote
Robert Devereux Mario Chang
Lord Cecil Ingyu Hwang
Walter Raleigh Daniel Miroslaw

Königin Elisabeth I., die »Jungfräuliche«, steht für ein ganzes Zeitalter: das Elisabethanische. Der Name eines Bundesstaates in den USA kündet noch heute vom Nimbus der Königin, die 55 Jahre lang allein auf Englands Thron saß: »Virginia« nannte Sir Walter Raleigh die 1584 von ihm gegründete Kronkolonie zu ihren Ehren. Dass sie zeit ihres Lebens unverheiratet blieb, heißt aber nicht, dass Elisabeth keine Affären hatte. Legendär war ihre langjährige Liebesgeschichte mit Robert Dudley. Und auch die in die Jahre gekommene Monarchin entbrannte noch einmal für einen sehr viel jüngeren Mann: Robert Devereux, Earl of Essex. Dieser beging einige Eigenmächtigkeiten, die ihm zum Verhängnis wurden. Als er den gegen ihn verhängten Hausarrest mutwillig brach und gewaltsam zur Königin, an deren Gunst er immer noch glaubte, vordringen wollte, wurde er wegen Hochverrats verurteilt und hingerichtet.
Gaetano Donizetti machte Königin Elisabeth mehrfach zur Operngestalt und thematisierte in Anna Bolena auch die tragische Geschichte ihrer Mutter, die von König Heinrich VIII. als Ehebrecherin aufs Schafott gebracht wurde. Bereits in der auf Schillers Tragödie fußenden Oper Maria Stuarda stellte er Elisabeth als einsame Machtstrategin dar, die sich ›unweiblich‹ hart zeigen muss gegen ihre Rivalin — und gegen Leicester, den sie liebt. In Roberto Devereux konzentriert sich das Geschehen auf das Drama der alternden Königin, deren Favorit Robert Devereux hier eine Affäre mit Sara, der Frau seines besten Freundes Nottingham, angedichtet wird. Ein Ring und ein Schal als Liebespfand besiegeln das Schicksal Devereux’. Im Mittelpunkt der Finalszene steht jedoch nicht der Titelheld, sondern die verzweifelte Königin. Gebrochenen Herzens dankt sie ab. Die Mittel des Belcanto werden in Donizettis dritter, 1837 in Neapel uraufgeführterTudor-Oper bis zum Äußersten gesteigert. In der erschütternden Gestaltung des auf seinen Kern reduzierten Geschehens erreicht der Komponist einen Grad an szenischer Wahrhaftigkeit, der den Rahmen eines zeittypischen Primadonnen-Schaustücks weit hinter sich lässt.