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Die Passagierin

Mieczysław Weinberg 1919-1996

Oper in zwei Akten, acht Bildern und einem Epilog
Text von Alexander Medwedew nach der gleichnamigen Novelle (1962) von Zofia Posmysz
Szenische Uraufführung am 19. Juli 2010, Bregenzer Festspiele

Premiere am 1. März 2015

Mehrsprachig mit deutschen und englischen Übertiteln
Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Leo Hussain
Lisa Katharina Magiera
Walter Peter Marsh
Marta Jessica Strong
Tadeusz Iain MacNeil*
Katja Elizabeth Reiter
Krystina Maria Pantiukhova
Vlasta Cecelia Hall
Hannah Judita Nagyová
Yvette Angela Vallone
Bronka Joanna Krasuska-Motulewicz
Alte Barbara Zechmeister
Erster SS-Mann Dietrich Volle
Zweiter SS-Mann Magnús Baldvinsson
Dritter SS-Mann Hans-Jürgen Lazar
Steward Michael McCown
Passagier Thomas Faulkner
Oberaufseherin Margit Neubauer
Kapo Friederike Schreiber

* Mitglied des Opernstudios

(…) Wer dieses Ereignis 2015 verpasst hat, sollte jetzt die Gelegenheit wahrnehmen und sich diese aufwühlende Auschwitz-Oper ansehen. Die Inszenierung des aktuellen Frankfurter Schauspielchefs Anselm Weber hat in dieser Zeit nichts von ihrem ausgeprägten Humanismus und ihrer verstörenden Innensicht verloren. (…) Mit Leo Hussain am Pult war die eindringliche Tonsprache des jüdischen Komponisten Weinberg, die von Zwölftonmusik über Volksmusik-Zitate bis hin zu Schostakowitschs rhythmischer Wucht reicht, in denkbar besten Händen. Katharina Magiera gab der einstigen KZ-Aufseherin Lisa eine härtere körperlich-stimmliche Präsenz als die Erstbesetzung Tanja Ariane Baumgartner – was der geheimnisvollen Rolle jedoch gut bekommt.
Jessica Strong als Marta, noch bis vor gut einem Jahr im Opernstudio, erschien dagegen wärmer und lebensbejahender als einst Sara Jakubiak. Mit ihrem lyrischen Sopran bleibt die Kanadierin als Überlebende besonders beim Epilog, zur zerbrechlich ausfransenden Querflötenweise, in starker Erinnerung. Eindrücklich bewältigte auch das Opernstudio-Mitglied Iain MacNeil seine Rolle als kämpferischer Geiger Tadeusz, ebenso wie die Debütantinnen Elizabeth Reiter (Katja), Cecelia Hall (Vlasta) und Angela Vallone als Yvette. (…)

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse


(…) Für die männliche Hauptpartie, Martas Geliebten Tadeusz, war ursprünglich erneut Brian Mulligan vorgesehen. Offenbar wegen des parallelen Einsatzes in der Frankfurter Produktion von Vasco da Gama hatte er sich von dieser Verpflichtung entbinden lassen. Als zu lesen war, dass nun ein Mitglied des Opernstudios ihn ersetzen sollte, fragte man sich, ob man nicht eine bessere Besetzung hätte finden können. Wenn man nun aber erlebt, wie Iain MacNeil mit kernigem Bariton ein beeindruckendes Rollendebüt hinlegt und den Tadeusz als stolzen Widerstandskämpfer und zornigen jungen Mann gestaltet, muss man sagen: Die Oper Frankfurt hätte niemand Besseren für diese Partie finden können.
So ist eine sehr eindringliche, werkgerechte und ausgezeichnet besetzte Produktion dieses bedeutenden Werkes zu erleben. Ein Besuch wird dringend empfohlen. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de

»Wenn ich es schon überlebt habe und die anderen nicht, dann wohl um zu bezeugen, was Auschwitz war«, formulierte Zofia Posmysz, Autorin des Romans Die Passagierin, gegenüber einer Schulklasse. Lisa, der Frau des frischgebackenen deutschen Botschafters, begegnet bei der Überfahrt nach Brasilien die längst verdrängte Vergangenheit: In einer Passagierin glaubt die einstige KZ-Aufseherin die frühere Gefangene Marta wiederzuerkennen, mit der sie eine besondere Beziehung verband. Lisa trug die unmittelbare Schuld am Tod von Martas Freund Tadeusz. Der polnische Komponist Mieczysław Weinberg, der SS in die Sowjetunion entkommen, wo er fast zum Opfer des stalinistischen Herrschaftssystem geworden wäre, fand in Dmitri Schostakowitsch einen Beschützer und Förderer, der ihm den Roman von Zofia Posmysz als Opernstoff vorschlug. Das Werk hat in den letzten zehn Jahren seinen Weg auf viele große Opernbühnen gefunden. Umjubelt wurde die Frankfurter Inszenierung von Anselm Weber auch als Gastspiel bei den Wiener Festwochen 2016 und an der Semperoper in Dresden.