(…) Wo das Ensemble auf 99 Prozent kommt, schafft [Dirigent] Václav Luks die 101 Prozent. Mit zahlreichen Gästen in der Continuo-Gruppe, im Schlagwerk und in den Holzbläsern sorgen das barockaffine Frankfurter Opern- und Museumsorchester und er an der Spitze für eine kleine Steffani-Erweckung. Die Entdeckerfreude und Liebe zur tiefsinnigen Gestaltung ist Luks, der wie ein Feinmechaniker an jedem seiner Instrumente schraubt, dreht und zieht, schlicht nicht abzuerkennen. Freilich ist dieses genaustens getaktete orchestrale Uhrwerk die größte Sensation dieses Abends – auf den sich ein geduldiges und aufmerksames Premierenpublikum vollends eingelassen hat. Und belohnt wurde.
Patrick Erb, www.concerti.de
(…) Am Ende dieses durchweg vergnüglichen und freigiebig bejubelten Abends stellt man also fest: Es muss nicht immer Händel sein. (…)
Wolfgang Fuhrmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung
(…) Von großem Witz und auch ausgezeichnet vorbereitet sind die Begegnungen von Aeneas’ Diener Corebo und Lavinias Dienerin Nicea: der Bariton Pete Thanapat und der Tenor Theo Lebow, die umeinander herumgockeln und -turteln. [Regisseur R.B.] Schlather zeigt, wie man auf der Grenze zwischen einem gemeinsamen Riesenspaß und einer Lächerlichmachung ohne jeden Verzicht auf der Riesenspaß-Seite bleiben kann. Das ist ein menschenliebender Abend.
(…)
Ein schlichtes Setting, aber auf dem gepflegten Gras fällt man immerhin weich, wenn man wie Aeneas schon zur (sofort feurigen sowie rauschenden) Ouvertüre vom Schicksal und heftigem Wind hin- und hergeschleudert wird. Michael Porter betreibt das mit Hingabe, sein Tenor aber sitzt wieder glänzend und klingt markig und doch fein.
Der Umfang der menschlichen Stimme wird in Amor vien dal destino voll ausgenutzt. Wie sich die Regie ganz auf die Figuren (Menschen!) konzentriert, feiert die Musik die Möglichkeiten des Gesangs.
Aeneas’ Traumfrau Lavinia ist als Gast die Frankfurt-Debütantin Margherita Maria Sala, natürlich und zupackend ihr beweglicher, angenehmer Alt. Ihr ungeliebter Verlobter ist Karolina Makuła mit ihrem fabelhaft unermüdlichen Mezzo. Ihre Schwester wiederum, Daniela Zib (aus dem Opernstudio!), brilliert in silbrigen Höchsttönen. Ihr Vater ist der Bass Thomas Faulkner, der immer sonorer wird, Faulkner selbst aber behält jenes bezaubernd schlaksige Komödiantentum, das ihm auch diesmal zupass kommt. Ein Counter darf nicht fehlen, Constantin Zimmermann als schamlos gemütlicher Strippenzieher Jupiter übernimmt das grinsend. (…)
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau
(…) Auf der Opernspielwiese haben alle Spielarten von Liebe Platz und die Zuschauenden haben ihre Freude daran. Warum Steffani ausgerechnet in Frankfurt begraben liegt? Er starb hier 1728 zufällig – auf der Durchreise!
Bernd Zegowitz, Darmstädter Echo
(…) Der Oper Frankfurt ist hier eine große Entdeckung gelungen. Mal ist sie pompös wie eine französische Barockoper, mal virtuos wie eine italienische Oper, mal mit deutschem Kontrapunkt. Die Palette der Musikinstrumente führt tief in die Musikgeschichte: Cembali, eine Truhenorgel, Lauten, Harfe, ein Salterio – also ein Hackbrett –, Pauken und andere Perkussionsinstrumente, Zimbeln, Windmaschine, Streicher, Barockoboen, Fagotte und Streicher, dazu gleich vier Chalumeaux – der klangliche Vorfahre der Klarinette. Und für die Sängerinnen und Sänger war es ein Heimspiel, obwohl sie alle ein Rollendebüt zu bewältigen hatten. Da capo!
Meinolf Bunsmann, hr2-kultur / Frühkritik
(…) Die Inszenierung schafft zauberhafte Momente der Annäherung, enthält wilde Verfolgungsjagden, Flucht- und Verzweiflungs- sowie hochkomische Szenen. (…)
Bernd Zegowitz, Wiesbadener Kurier
(…) Dass das alles so exzellent funktionieren konnte, resultierte auch aus dem Bühnenbild. Anna-Sofia Kirsch lieferte lediglich eine halb schräge grüne Grasfläche, vor deren Hintergrund konnten die Phantasiekostüme mit barocken Reifröcken, Uniformen und mit Federkronen von Katrin Lea Tag einerseits zur Geltung kommen, aber auch gleichzeitig die Belanglosigkeit der menschlichen Eitelkeit demonstrieren. (…)
R.B. Schlather und seinem Team ist eine untadelige und mutige Inszenierung gelungen, die vom Publikum nach rund dreieinhalb Stunden begeistert aufgenommen wurde. Lesenswert auch das Programmheft.
Michael Pitz-Grewenig, www.klassik.com
(…) Liebe kommt aus der Musik! An diesem trotz seiner Länge kurzweiligen Abend jedenfalls. Viel Beifall.
Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse
(…) Großer Jubel für eine echte Entdeckung. Hinfahren!
Regine Müller, Rheinische Post